Lernen von Professorin Kimmich

Dorothee Kimmich, Ausgabe IV/2008, Atatürks Erben. Die Türkei im Aufbruch



Kultur ist das erfolgreichste Schlagwort der letzten Jahre – aber was ist eigentlich Kultur und warum beschäftigt sie uns heute so sehr? Die Kulturtheoretiker des 20. Jahrhunderts können darauf Antwort geben. Dieses Semester behandle ich mit meinen Studenten Foucault, einen einzigartigen Intellektuellen. Vieles, was uns geläufig ist, geht auf ihn zurück. Zum Beispiel der Ausdruck „wahnsinnig gut“: Erst seit Foucault sehen wir in „Wahnsinn“ nicht nur eine Krankheit, sondern auch kreatives Potenzial. Er hat uns gezeigt, dass Macht nicht von bestimmten Agenten wie Politikern oder Despoten ausgeht, sondern medial, etwa über einen bestimmten Sprachgebrauch oder protzige Autos ausgedrückt wird. Wie man Herrschaftsverhältnisse ändern kann – in der Politik, zwischen den Geschlechtern, Kontinenten und Kulturen –, beherrscht auch heute die Debatten. Foucault lehrt uns, dass der Mensch nur eine historische Erfindung ist und verschwinden wird wie Spuren im Sand. Seine Theorien betreffen Kleingruppen ebenso wie globale Strukturen und sind noch immer anwendbar.

 

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