Geschlossene Türen

Warum das portugiesische Rettungspaket neuen Unternehmen nicht hilft 

von Cátia Bruno

 

Luís Lopes hat die letzten zehn Jahre in der gehobenen Gastronomie in Portugal und Mosambik gearbeitet. Der 29-jährige Koch war Teil eines Teams, das einen Michelin-Stern gewann, und leitete ein weiteres über dreißigköpfiges Team. Im vergangenen Jahr kehrte er in seine Heimatstadt Évora zurück und beschloss, sich selbstständig zu machen. Das Restaurant »Petiscaria dos Lopes« eröffnete im August 2019, doch die ersten Monate waren hart. Glücklicherweise zog das Geschäft im Februar wieder an.

Doch dann kam im folgenden Monat Covid-19 und von da an ging es in Portugal bergab. »Es war eine dramatische Veränderung. Die Leute stornierten alle Reservierungen«, erzählt Lopes. Als die Regierung den Ausnahmezustand ausrief, durften Restaurants wie seines nur noch Essen zum Mitnehmen anbieten. In einer abgeriegelten Stadt mit 50.000 Einwohnern war es schwer, sich über Wasser zu halten. Nach zwei Wochen schloss Lopes die Türen und übergab die Schlüssel an den Vermieter.

Die Regierung von António Costa ergriff rasch eine Reihe von Konjunkturmaßnahmen, um in Schwierigkeiten geratenen Unternehmen zu helfen: Das Kurzarbeitergeld ermöglicht es Unternehmen, Angestellte nach Hause zu schicken und weniger Lohn zu zahlen, während die Sozialversicherung den Rest übernimmt, es gibt öffentliche Kredite für Unternehmen, über bestehende Bankschulden wurde ein sechsmonatiges Moratorium verhängt, und einigen Unternehmen wurde ein Zahlungsaufschub für bestimmte Steuern gewährt.

Leider haben diese Maßnahmen nicht ausgereicht, um alle zu unterstützen, die Hilfe benötigen, wie zum Beispiel Selbstständige und geschäftsführende Gesellschafter. Der Fokus der Regierung besteht nach den Worten von Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira darin, »Arbeitslosigkeit für eine harte, aber kurze Zeit zu verhindern«. Der Premierminister setzt große Hoffnungen in das europäische Konjunkturpaket.

Unterdessen haben Menschen wie Lopes die härteste Zeit ihres Lebens hinter sich – vielleicht sogar härter als die Finanzkrise 2011, die zu einem Rettungspaket für Portugal führte. Die »Petiscaria dos Lopes« konnte im Rahmen keines der öffentlichen Programme Unterstützung beantragen. Ein neues Unternehmen wie das von Lopes kann keinen Verlust von einem Jahr nachweisen und daher keine Hilfszahlungen erhalten, so sein Buchhalter. Vorerst hat Lopes es geschafft, einen Job in einem kleineren Restaurant in einer anderen Stadt zu finden, weit weg von den Michelin-Sterne-Küchen, in denen er einst arbeitete – und weit weg von seiner Frau. »Es ist hart«, sagt er. »Aber im Moment muss ich einfach durchhalten. Etwas anderes bleibt mir nicht übrig.«

Aus dem Englischen von Claudia Kotte

CÁTIA BRUNO arbeitet als freie Journalistin in Lissabon.