Leere Tische

Der Tourismus in Griechenland läuft nur langsam wieder an 

von Stavros Malichudis

 

»Das Lokal bleibt aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus geschlossen. Vielen Dank!«, heißt es auf dem Schild an der staubigen Glastür des Restaurants. Nur wenige Schritte weiter an der Tür eines anderen Restaurants findet sich eine ähnliche Nachricht: »Wir bleiben während der Pandemie geschlossen. Wir sind bald wieder für Sie da.«

Am 26. Februar 2020 wurde der erste Fall von Covid-19 in Griechenland bekannt. Am 23. März begann der landesweite Lockdown. Am 4. Mai wurden die Maßnahmen aufgehoben, in der Hoffnung, die Sommersaison nicht ganz zu verlieren – schließlich macht der Tourismus in Griechenland mehr als zwanzig Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. 

Doch auch im Juli gibt es in Chania, der Stadt im Nordosten der beliebten Insel Kreta, zahlreiche Geschäfte, die nach der Pandemie nicht wie versprochen zur Normalität zurückgekehrt sind. Der Tourismus in Chania ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen, die Zahl der Airbnb-Angebote stieg von 250 im Jahr 2015 auf 2.400 im Jahr 2017 und auf bis zu 7.430 kurz vor der Pandemie. Doch die Gassen der Altstadt, in denen sich im Hochsommer normalerweise die Besucher drängeln, sind jetzt leer, und die Besitzer der Cafés und Restaurants, die geöffnet haben, müssen feststellen, dass die meisten Tische im Laufe des Tages ebenfalls leer bleiben werden.

In anderen Städten des Landes sieht es nicht anders aus. Giorgos Psomiadis, ein junger Journalist aus Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, zog mitten in der Pandemie in die Hauptstadt Athen.

»Der Einfluss von Covid-19 auf mein Leben wurde mir zu dem Zeitpunkt klar, als mein Umzug – der seit Monaten geplante Wechsel von Ort und Arbeitsplatz – aufgeschoben werden musste«, sagt er. »Es war die Ungewissheit, wie sich die Dinge entwickeln würden, wie viele Monate es dauern würde, bis wir wieder ein normales Leben führen würden, und vor allem, ob das Leben wieder so sein würde wie vorher.«

Die griechische Regierung wurde für ihren Umgang mit der Pandemie gelobt; das Land gilt aufgrund der relativ geringen Zahl von Infektionen und Todesfällen in Zusammenhang mit Covid-19 als sicheres Sommerreiseziel. 

Die Touristen kehren langsam in das Land zurück, trotzdem geht der stellvertretende Minister für Tourismus, Theodoros Skilakakis, von sieben Milliarden Euro Verlust im Jahr 2020 im Tourismussektor aus. Gleichzeitig werden Berichte über Verstöße gegen das Arbeitsrecht landesweit bekannt. Dimitra Tsapoga, die im Privatsektor arbeitet, meint, der Schwerpunkt solle auf die gesamteuropäische Ebene gelegt werden. »Der Schutz von Arbeitsrechten und der Zugang zur öffentlichen Gesundheit muss gewährleistet sein«, sagt sie. »Auf europäischer Ebene muss es mehr Kommunikation unter den Verantwortlichen und mehr Solidarität geben. Die Pandemie war keine Zeit für nationale Kompromisse oder lokale Interessen, sondern für gemeinschaftliches Handeln.« 

Aus dem Englischen von Claudia Kotte

STAVROS MALICHUDIS arbeitet als freier Journalist in Griechenland.