Zum Anbeten: Frauen in den Weltreligionen

von Nahed Selim

Frauen, wie geht's? (Ausgabe IV/2007)


Immer wenn über Polygamie geredet wurde, war meine ägyptische Freundin der Meinung, dass Polygamie den göttlichen Segen hätte, gestützt und vermittelt vom islamischen Recht. Sie änderte ihre Meinung erst, als sich ihr Ehemann eine zweite Frau nahm. Sie hasste ihn dafür. Wie alle muslimischen Frauen, von denen ich weiß, dass sie in polygamen Verhältnissen leben müssen, leidet sie darunter. Sie fühlt sich erniedrigt und ungerecht behandelt. Mit bestimmten Einschränkungen – das gebotene Einverständnis der Frauen macht die Sache für sie meist nicht angenehmer – ist es im Islam dem Mann erlaubt, bis zu vier Frauen zu heiraten.

Außerdem erlaubt der Koran (Sure 4, Vers 24) dem Mann, sich Sklavinnen als Konkubinen zu halten. Auch weibliche Kriegsgefangene werden oft als Beute und neues Eigentum angesehen, mit denen der Mann Verkehr haben darf. Hierbei handelt es sich natürlich um untragbare, unmenschliche Zustände, unter denen unzählige Frauen die gesamte Geschichte des Islams hindurch leiden mussten und noch immer leiden müssen. Ein Grund mehr, die erste Frau Mohammeds zu bewundern. Für die Polygamie hatte sie nämlich nichts übrig. Solange sie mit ihm verheiratet war, blieb sie auch seine einzige Frau, und zwar fünfzehn Jahre lang. Ihr Name war Chadidscha bint Chuwailid. Sie war eine stolze, erfolgreiche Geschäftsfrau von ungefähr 40 Jahren, als sie Mohammed als reisenden Kaufmann anheuerte. Später trug sie ihm die Heirat an.

Zu diesem Zeitpunkt war er erst 25 Jahre alt. Nach ihrem Tod im Jahr 619 heiratete Mohammed noch mindestens 13 weitere Male. Wobei nicht anzunehmen ist, dass Mohammed über Nacht polygam wurde. Von allem Leid, das er seinen Frauen zugefügt hatte, gibt es reichlich Kunde. Was auch immer genau hinter seiner anfänglich monogamen Einstellung steckte, sie beruhte doch am ehesten auf dem starken und überzeugenden Charakter Chadidschas. Tatsächlich war sie ja auch nicht von ihm abhängig. Eher im Gegenteil. Er war es, der von ihr, ihrem Status und ihrem Vermögen abhängig war. Die Lehre, die alle Frauen hieraus ziehen können, ist die: Wer sich bis zum hoffentlich bald verhängten Verbot (für das es sich zu kämpfen lohnt) nicht mit der Polygamie herumschlagen will, sollte zusehen, nicht vom Ehemann abhängig zu sein. Besonders nicht finanziell.



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