Repräsentative Räume

von Gudrun Czekalla

e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (Ausgabe III/2010)


Welche Vorstellungen und Bilder von Staaten lassen sich durch Botschaftsgebäude vermitteln und wie werden diese Bilder im Gastland wahrgenommen? Am Beispiel der Botschaftsneubauten Indiens und Südafrikas in Berlin zeigt die Autorin das unterschiedliche Vorgehen beider Staaten bei der Vermittlung ihres Länderbildes im Ausland. Indien wählte für seinen Neubau ein deutsches Architekturbüro, das die kulturelle Übersetzungsarbeit zwischen indischem Selbstbild und deutscher Wahrnehmung geleistet hat. Darüber hinaus zeugt die Architektur vom Wunsch nach einer ausgewogenen Mischung zwischen Tradition und Moderne.

Anders Südafrika: Da es sich beim Botschaftsbau um den ersten Neubau des demokratischen Staates handelte, wurde ein südafrikanisches Architektenteam beauftragt. Die zurückhaltende und moderne Präsentation nach außen lässt nichts von der kulturellen und ethnischen Vielfalt Südafrikas ahnen, die sich lediglich im Inneren des Gebäudes widerspiegeln. Dementsprechend fällt die Bewertung der Passanten aus. Es wird deutlich, dass Gebäude nicht nur Repräsentanzen im Ausland sind, sondern auch Symbolfunktionen für das Selbstbild eines Landes erfüllen. (Cz)

Botschaften mit Botschaften. Von Raumbildern und einer neuen Länderkunde. Von Katharina Fleischmann. BIS-Verlag der Carl-von-Ossietzky-Universität, Oldenburg, 2008.



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