„Wir diskutieren Erntemethoden“

Jane Kasirye

e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (Ausgabe III/2010)


Frau Kasirye, wie sind Sie Farmerin geworden?
Früher habe ich auf einer anderen Farm als Leiharbeiterin gearbeitet. Dann begann ich, in meinem eigenen Garten verschiedene Pflanzen anzubauen, allerdings waren meine Ernten nicht sehr ertragreich. Ich pflanzte Tomaten an, doch sie gediehen nicht. Dann versuchte ich es mit Kaffee, was zwar funktioniert hat, aber nur wenig Geld einbrachte. Heute baue ich vor allem Bananen, Mais und Kartoffeln für den einheimischen Markt an.

Wie können Sie davon leben?
Inzwischen geht es uns recht gut. Für meine Kinder kann ich ein Internat bezahlen, mein großer Sohn studiert an der Universität. Das wäre früher nicht möglich gewesen, da hat es nur für die Tagesschule hier im Dorf gereicht.

Wodurch hat sich Ihre Situation verbessert?
Mein Freund Joab, ein sehr angesehener und erfolgreicher Landwirt, hat mir von BROSDI erzählt. Das ist eine Organisation, bei der man lernen kann, was das Internet ist und wie es einem helfen kann. Joab hat mich ermutigt, Mitglied zu werden. Ich bin sehr entwicklungsorientiert und wollte mir solch eine Möglichkeit nicht durch die Finger gehen lassen. Jetzt besuche ich das Zentrum einmal in der Woche.

Was lernen Sie dort?
Ich habe gelernt, wie ich das Internet für meine Farmtätigkeiten nutzen kann. Jetzt kann ich surfen und bloggen und andere Farmer weltweit um Rat fragen, und wenn ich dabei Hilfe brauche, unterstützt mich das Team im Zentrum.

Was besprechen Sie mit den anderen Farmern?
Wir diskutieren Bepflanzungs- und Erntemethoden und Marketingstrategien. Früher pflanzten wir an, was unsere Eltern uns beigebracht hatten. Außerdem habe ich erfahren, dass es einfacher für uns Bauern ist, wenn wir zusammenarbeiten. Jetzt haben wir zum Beispiel gemeinsam eine größere Landfläche gekauft, wo wir Erdnüsseanpflanzen. Mein eigenes Feld wäre dafür zu klein. Alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen.

Gibt es noch mehr Veränderungen auf Ihrer Farm?
Ich ordne meine Saat zum Beispiel in Linien an. So behalte ich einen besseren Überblick über meine Pflanzen und kann jedes einzelne Gewächs erreichen. Durch die strukturierte Anordnung kann ich zum Beispiel meine Bananen beschneiden, was ich früher nie gemacht habe, und Pflanzenschutzmittel gezielter verwenden. Ich weiß jetzt, welches Pestizid für welche Pflanze geeignet ist und wann genau ich es sprühen muss. In der Vergangenheit habe ich all diese Dinge nicht als wichtig angesehen. Inzwischen baue ich auch erfolgreich Tomaten, Gemüse und Kohl an. Durch mein neues Wissen mache ich mehr Gewinn, sogar mit meinen alten Sorten.

Teilen Sie Ihre neuen Fähigkeiten und Kenntnisse?
Die Nachbarn kommen und lernen von mir. Sie fragen mich, wie ich es schaffe, mit einer so kleinen Fläche so viel zu ernten. Außerdem erzähle ich ihnen von dem Kommunikationszentrum und versuche sie zu überzeugen, selbst dorthin zu gehen. Manche folgen meinem Rat, andere sind skeptisch.

Hat es Sie persönlich verändert, besser informiert zu sein?
Dass ich das Internet benutzen kann, hat mir Selbstvertrauen gegeben. Ich will eine Vorzeigefarmerin sein. Ich sträube mich nicht mehr, den Computer zu benutzen und bin selbstsicherer, wenn ich mit anderen rede.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Wenn sich alles weiterhin so gut entwickelt, hoffe ich in zehn Jahren Solarenergie in unserem Haus zu haben und mehr Farmland erwerben zu können. Bis dahin haben meine Kinder die Schule beendet und es wird Zeit, dass mein Mann und ich uns von unseren Anstrengungen erholen und das Leben genießen.

Das Interview führte Joshua Kyalimpa

Aus dem Englischen von Katharina Olschenka



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