Wie das Fingertier in Madagaskar zaubert

von Tiana Andriamanana

e-volution. Wie uns die digitale Welt verändert (Ausgabe III/2010)


Nicht nur der knochige, deutlich längere Mittelfinger, sondern auch die Nagezähne, der Eichhörnchenschweif und die großen Fledermausohren verleihen dem Fingertier ein auffälliges Äußeres. Zahlreiche Legenden ranken sich in Madagaskar um den größten nachtaktiven Lemuren der Welt.

Eine uralte Sage beschreibt den Bewohner der Baumkronen des Regenwalds als „Todesbringer“: Wenn ein Fingertier mit seinem Mittelfinger auf jemanden zeigt, ist dieser dem Tode geweiht. Der Volksstamm der Sakalavas glaubt sogar, dass sich das Fingertier nachts in die Häuser der Walddörfer schleicht und mit dem Mittelfinger die Kehle der Hausbesitzer durchtrennt. Der sichere Gang und die Furchtlosigkeit des bis zu einem halben Meter großen Tiers spiegelt für die Sakalavas seine Überlegenheit und uneingeschränkte Macht wider.

In anderen Regionen Madagaskars gilt das Fingertier als Hüter des Waldes. Wenn ein Mensch im Wald einschläft, fertigt das Tier ein Kissen aus Gras an: Befindet sich das Kissen am nächsten Morgen unter seinem Kopf, bedeutet dies, dass der Mensch bald großen Reichtum erlangt. Befindet sich das Kissen jedoch unter seinen Füßen, wird der Mensch Opfer eines bösen Zaubers.

Die Abholzung des Regenwaldes hat dazu geführt, dass Fingertiere auf Nahrungssuche immer öfter in Dörfer kommen. Doch dort lauert Todesgefahr: Viele Madagassen erschlagen die Lemuren aus Angst vor ihren Zauberkräften.



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