... in Zypern

von Elvan Levent

Ganz oben. Die nordischen Länder (Ausgabe I/2008)


Einer der vier Bewerber ist Tassos Papadopoulos, amtierender Präsident der Republik Zypern von der konservativ-demokratischen Partei DIKO. Außerdem stellen sich Dimitris Christofias, Vorsitzender der kommunistischen Partei AKEL, der unabhängige Kandidat Kostas Themistokleous und Ioannsi Kasoulides von der rechts-demokratischen DISY zur Wahl. Letzterer ist einer der sechs zyprischen Mitglieder im Europaparlament. Sollte im ersten Urnengang im Februar keiner der Kandidaten die 51-Prozent-Hürde nehmen, findet ein zweiter Wahlgang statt, bei dem die beiden Bestplatzierten gegeneinander antreten. Umfrageergebnissen aus verschiedenen Quellen zufolge liegt derzeit Tassos Papadopoulos mit knapp 31 Prozent an erster Stelle, dicht gefolgt von Christofias und Kasoulides. Papa-dopoulos scheint mit seiner Politik das Vertrauen der Bevölkerung erlangt zu haben.

Beim Referendum zum Annan-Plan der Vereinten Nationen im Jahre 2004, der die Gründung einer „Vereinten Republik Zypern“ vorschlug, hatte er mit „Nein“ gestimmt und den griechischen Zyprern nahegelegt, dies auch zu tun. Die Zahl der „Nein“-Stimmen in Südzypern lag bei etwa 76 Prozent. Aktuell findet Papadopoulos mit seinen Forderungen an die Türkei in Bezug auf Zypern in der südzyprischen Bevölkerung volle Unterstützung. So fordert er zum Beispiel den Abzug der türkischen Armee, die Öffnung des gesperrten nordzyprischen Gebietes Maras¸ und den Stopp der Ausplünderung griechischer Besitzungen im Norden Zyperns.

Andreas Paraskos, Chefredakteur von „Polites“, der zweitgrößten Zeitung Südzyperns, glaubt, dass es nur dann eine Kursänderung geben wird, wenn ein anderer Kandidat die Wahlen gewinnt. Christofias und Kasoulides setzen auf eine schnelle Lösung der Zypernfrage und machen deutlich, dass sie im Falle ihrer Wahl umgehend den Dialog mit der Führungsspitze Nordzyperns aufnehmen werden. Paraskos geht in einem Artikel auch auf die Einstellung der Bevölkerung zu diesen Wahlen ein: Die unter 40-Jährigen stünden der Zypernfrage desinteressiert gegenüber, „weil sie keinerlei Erinnerungen an ein Zusammenleben von Griechen und Türken in Zypern haben. Hinzu kommt, dass nach Öffnung der Grenzen auf der Insel im Jahr 2003 die Zypernfrage eine ganz andere Dimension angenommen hat.“ Anders als in den Jahren zuvor dürfen aufgrund einer Verfassungsänderung diesmal auch die im Süden lebenden Türken ihre Stimme abgeben, etwa 350 von ihnen sind stimmberechtigt. Die Zahl der griechischen Wähler liegt bei etwa 500.000. Die Wahlen werden von den Zyperntürken im nördlichen Teil der Insel mit Spannung verfolgt, denn unter ihnen ist die Meinung verbreitet, dass im Falle eines Wahlsieges von Christofias konkretere Lösungsansätze in der Zypernfrage entwickelt werden könnten. Damit käme man dem Frieden etwas näher.

Aus dem Türkischen von Berna Ercan



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