„Ich bin für die Todesstrafe“

ein Gespräch mit Vicki Walser-Bryant

Good Morning America. Ein Land wacht auf (Ausgabe III/2009)


Sie befürworten die Todesstrafe?

Ja, ich bin für die Todesstrafe, und zwar aus mehreren Gründen. Erstens steht es so in der Bibel. Ich glaube fest daran, dass die Heilige Schrift die Idee gutheißt, Menschen hinzurichten. Zweitens ist meiner Meinung nach das System der Berufungsverfahren vollkommen lächerlich und es kostet ein Vermögen, die Leute jahrelang zu versorgen und ihre Fälle immer wieder zu verhandeln.

Welche Stellen in der Bibel sind es, die Ihrer Ansicht nach die Todesstrafe ausdrücklich gutheißen?

Die Lehren des Alten Testaments – das Mosaische Gesetz – befürworten den Gebrauch der Todesstrafe. Manche Dinge sind nie veraltet: Die zeitlosen Wahrheiten des Alten Testaments gelten noch immer. Leute fragen oft: „Was ist, wenn ein Unschuldiger getötet wird?” Ich denke, dass so etwas sehr, sehr selten vorkommt. Es ist etwas, woran sich die Leute festklammern, um ihren gefühlsmäßigen Widerstand gegen die Todesstrafe zu untermauern.

Sie erwähnten die Kosten, die durch die jahrzehntelange Inhaftierung der Gefangenen und ihre Berufungsverfahren entstehen. In New Jersey entschied der Gesetzgeber im Jahr 2007 den Gebrauch der Todesstrafe in diesem Bundesstaat einzustellen. Ein Hauptgrund war die Feststellung, dass es pro Jahr und Gefangenem über 30.000 Dollar mehr kostet, ein Todesstrafverfahren durchzuführen als lebenslange Haft.

Ich verstehe Ihren Einwand, aber schauen Sie sich doch einmal das Rechtssystem mit all den Anwälten an – es arbeitet nicht effizient. Es ist das reinste Chaos. Die Berufungsverfahren dauern 30 oder 40 Jahre, anstatt dass eine Jury in einer Verhandlung aufgrund der Beweise ein Urteil fällt, das dann schnell vollstreckt wird. Der amerikanische Steuerzahler zahlt für alles. Wir zahlen für ihre Anwälte, wir zahlen für ihre Gefängnisse. Wenn Todesstraffälle verhandelt und abgeschlossen würden, dann entstünden keine Extrakosten.

Aber das Berufungsverfahren, gerade in Fällen mit Todesstrafe, ist ein wichtiges Instrument, um über den begründeten Zweifel hinaus festzustellen, ob ein Mensch schuldig ist oder nicht.

Unser Rechtssystem basiert darauf, dass einer Jury, die aus unseren Mitbürgern besteht, die Beweise vorgelegt werden. Wenn eine Jury dann aufgrund unwiderlegbarer Beweise zu einem Urteil kommt und der Verurteilte weiterhin von steuerfinanzierten Mahlzeiten in steuerfinanzierten Gefängnissen lebt, dann läuft hier mit Sicherheit etwas schief.

Seit die Todesstrafe 1976 in den USA wiedereingeführt worden ist, sind 124 Menschen aus dem Todestrakt freigesprochen worden. Bringt es Sie nicht um den Schlaf zu denken, dass Unschuldige womöglich exekutiert worden sind?

Deswegen sagte ich ja auch: „unwiderlegbare Beweise“. Es ist mir bewusst, dass es in der Vergangenheit nicht all die DNS-Beweise gab, über die wir heute verfügen und dass ein paar Fehler gemacht worden sein könnten. Aber heutzutage können wir mit dieser Technologie zweifelsfrei feststellen, ob ein Mensch schuldig ist.

Was halten Sie von dem Ungleichgewicht zwischen der Anzahl Weißer und Schwarzer, die zum Tode verurteilt werden?

Ich glaube, dass die schwarzen Anführer den Schwarzen ständig sagen, dass ihnen die Gesellschaft etwas schuldet anstatt ihnen klarzumachen, dass ihnen alle Türen offen stehen – ihr lebt in Amerika! Hier könnt ihr tun, was ihr wollt, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Mir hat auch keiner Geld gegeben. Alles, was ich in meinem Leben tue, tue ich, weil ich es auf mich genommen habe.

Hatten Sie einen besonderen Beweggrund Christin zu werden?

Ich würde sagen, Gott hat mich lange Zeit verfolgt und schließlich erwischt. Ich stamme aus keinem streng christlichen Elternhaus, ich war alleinerziehend und führte kein besonders gutes Leben. Aber dann habe ich einen Mann geheiratet, der heute seit 25 Jahren trocken ist. Wir haben zur gleichen Zeit zu Christus gefunden. Jetzt betreiben wir in unserer Heimatstadt seit drei Jahren einen christlichen Buchladen.

Das Interview führte Robert S. Eshelman
Aus dem Englischen von Rosa Gosch



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