Weshalb man in China die Zahl 250 meidet

Falk Hartig

Good Morning America. Ein Land wacht auf (Ausgabe III/2009)


Dass die Chinesen zahlengläubig sind, ist bekannt. Die Olympischen Spiele begannen am 08.08.2008, weil die Acht auf Chinesisch wie das chinesische Wort für „wohlhabend“ klingt. Eine gar nicht harmlose Zahl ist in China hingegen die 250, denn sie bedeutet „Trottel“ oder „Dummkopf“. Es kursieren verschiedene Erklärungen, warum das so ist. Die wohl bekannteste ist diese: Zur Zeit der Streitenden Reiche, in den Jahren 470–221 vor Christus, herrschten in China verschiedene Könige, die alle Beamte oder Berater um sich versammelt hatten, so auch der König des Staates Qi. Dessen Berater und Freund Su Qin wurde ermordet und der König ersann eine List, wie er den Mörder fassen könnte. Er verkündete, dass Su Qin ein Feind des Staats gewesen sei und er den Mörder deshalb mit 1.000 Goldstücken belohnen wolle. Daraufhin meldeten sich gleich vier habgierige Halunken. Der König fragte sie, wie er nun herausfinden soll, welcher von ihnen das Gold verdient habe. „Ganz einfach“, sagten die vier, „jeder von uns bekommt 250 Goldstücke.“ Da rief der König seine Wachen und befahl: „Bringt diese vier 250er weg und tötet sie!“
Möglicherweise steht seither die 250 für „Dummkopf“ und wird eben gemieden. In Zeiten des real existierenden Kapitalismus gibt es in den Läden jedenfalls nichts, was 250 Yuán kostet.



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