Warum die Griechen ein Kreuz ins Wasser werfen

von Evi Chantzi

Ganz oben. Die nordischen Länder (Ausgabe I/2008)


Sie hechten dem Kreuz Jesu hinterher, das der Pope kurz zuvor gesegnet hat. Wer das Kreuz fängt, dem werden große Ehrungen zuteil: Er darf den Segen in die Häuser der Gemeinde überbringen, wo Geschenke auf ihn warten. Mit diesem Ritual wird alljährlich das Fest der „Theophania“ (zu Deutsch: Gotteserscheinung) begangen: die Taufe Jesu. Das Kreuz im Wasser erinnert an den Heiligen Geist, der Jesus in Form einer Taube im Jordanfluss erschienen ist. Ganz frei von heidnischem Brauch aber ist der orthodoxe Ritus nicht: Denn das Kreuz soll vor allem die bösen Geister vertreiben, die im Wasser hausen. Deswegen wird auch in einem Taufbecken Wasser geweiht, das die Besucher in kleinen Fläschchen abgefüllt mit nach Hause nehmen. Meine Tanten versäumen es nie, auch mir dieses bewährte Heilmittel zu schicken. Ein paar Tropfen auf der Stirn helfen bei Kopfschmerzen, bei Stress und insbesondere vor dem bösen Blick.



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