Erforschte Kulturbeziehungen

von Gudrun Czekalla

Wir haben die Wahl. Von neuen und alten Demokratien (Ausgabe III/2008)


Andrei, Verena: Die auswärtige Sprachpolitik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber den Staaten Mittel- und Südosteuropas und in der Europäischen Union. Eine theoriegeleitete Außenpolitikanalyse. Tübingen, Univ., Diss., 2006. 435 Seiten.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts änderten sich auch die Rahmenbedingungen für die deutsche Auswärtige Kulturpolitik in den Staaten Mittel- und Südosteuropas. Besonders deutlich wurde dies am Beispiel der deutschen Sprachförderungspolitik, welche die Autorin analysiert und anhand der Theorieansätze des Neorealismus, des utilitaristischen Liberalismus und des Konstruktivismus erklärt. Mit zwei Fallstudien, der Lehrerentsendung und des Aufbaus von Goethe-Instituten in Mittel- und Südosteuropa einerseits und der Förderung von Deutsch als Arbeitssprache in der Europäischen Kommission und im Rat andererseits, wurde die Untersuchung durchgeführt. Verena Andrei kommt zu dem Ergebnis, dass die deutsche auswärtige Sprachpolitik vor allem Machtpolitik ist, die neue Chancen zu nutzen versteht – ohne allerdings Werteüberzeugungen aufzugeben oder in einen offensiven, machtbewussten Stil zu wechseln.

Kampschulte, Dennis L.: Transatlantische Wahrnehmungsunterschiede im Umgang mit internationalen Konflikten? Zur Bedeutung der auswärtigen Kultur-, Bildungs- und Informationspolitik in Deutschland und den USA. Hamburg, Univ. der Bundeswehr, Diss., 2006. 263 Seiten.

Welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen deutscher Auswärtiger Kulturpolitik und amerikanischer Public Diplomacy? Wie lässt sich die Perzeption politischer Akteure in Deutschland und den USA erklären und welche kulturellen Faktoren liegen ihr zugrunde? Diesen Fragen geht Dennis Kampschulte nach und entwickelt ein Modell, das die Auswirkungen kultureller Faktoren auf die politischen Akteure in beiden Ländern sichtbar macht. Er beschreibt die Entwicklung seit dem Ende des Ost-West-Konflikts und analysiert den normativen Diskurs in beiden Ländern. Er kommt zu dem Ergebnis, dass eine Arbeitsteilung zwischen Deutschland beziehungsweise Europa und den USA ratsam wäre. Die vermeintlichen Schwächen Deutschlands und Europas hinsichtlich harter Machtfaktoren wie militärischer Einsätze können durch die USA kompensiert und deren gescheiterte PublicDiplomacy durch europäische Glaubwürdigkeit ausgeglichen werden.

Derix, Simone: Bebilderte Politik. Staatsbesuche in der Bundesrepublik Deutschland 1949-1990. Köln, Univ., Diss., 2006. 519 Seiten.

Die glanzlose Bonner Republik galt vielen als symbolarmer und „wenig theatralisierter“ Staat. Die Autorin bescheinigt den 116 Staatsbesuchen, die im Untersuchungszeitraum stattfanden, jedoch ein ausgefeiltes Programm und ein breites darstellerisches Repertoire. Staatsbesuche sind aber nicht nur Inszenierungen nach außen, sondern auch Identifikationsangebote nach innen. Der Aushandlungsprozess zwischen dem sich inszenierenden Staat und den Menschen am Straßenrand bildet das zweite Thema der Dissertation. Simone Derix gibt Antworten auf die Fragen, wie diese Inszenierungen entstanden, wer sie sich ausdachte, welche Formensprache und Dramaturgie gebraucht wurde und wie sich die gesellschaftliche Wahrnehmung der Staatsbesuche veränderte. Sie arbeitet diesen wenig beachteten Aspekt deutscher Zeitgeschichte auf der Basis von unveröffentlichtem Archivmaterial, Presseausschnittsammlungen, Fotografien, Wochenschau- und TV-Berichten, Memoiren sowie Interviews auf.

Eckstein, Katrin: Die Zusammenarbeit europäischer Kulturinstitute in Berlin. Eine Untersuchung auswärtiger Kulturpolitik am Beispiel des Collegium Hungaricum. Hildesheim, Univ., Diplomarb., 2006. 113 Seiten.

Katrin Eckstein beschreibt Entstehung, Ansprüche und Ziele der 2003 gegründeten Gemeinschaft Europäischer Kulturinstitute (GEK) in Berlin und stellt am Beispiel des Collegium Hungaricum die Arbeit eines Kulturinstituts zwischen nationaler und europäischer Kulturpolitik dar. Inwieweit die Ansprüche der GEK in der Praxis umgesetzt wurden, analysiert die Autorin am Beispiel des gemeinsam organisierten Berliner Festivals europäischer Sinti und Roma. Ergebnisse: Von oben angeregte Zusammenarbeit muss immer auch lokale Gegebenheiten berücksichtigen, um in der Praxis erfolgreich sein zu können. Es sollten formal gefestigte, aber flexible Arbeitsstrukturen etabliert werden, um eine Finanzierung multilateraler Projekte besser gewährleisten zu können. Katrin Eckstein fordert eine Europäisierung Auswärtiger Kulturpolitik durch mehr Austausch und Dialog statt Präsentation und Kulturexport.

Edelhoff, Isa Kathrin: Strukturen und Instrumente auswärtiger Kulturpolitik. Die internationalen Seminare für Kulturmittler des Goethe-Instituts oder: Kultur lebt vom Dialog. Berlin, Freie Univ., Magisterarb., 2006. 168 Seiten.

Aus den Austausch- und Besucherprogrammen des Goethe-Instituts hat sich Isa Edelhoff für ihre Arbeit den Bereich der internationalen und interdisziplinären Multiplikatorenseminare „Kulturelle Szene“ ausgewählt. Sie untersucht Ursprung und konzeptionelle Entwicklung dieser Programmform, die sie aus eigener Anschauung kennt sie hat sie zeitweise mitgeleitet. Die planvolle, didaktisch aufbereitete und moderierte Reflexion, die die Seminare erlauben, haben oftmals zu konkreten Projekten und internationalen Kooperationen geführt. Große Bedeutung wird den persönlichen Beziehungen und Kontakten sowie dem Aufbau von Netzwerken beigemessen. Eine Erfahrung, die nicht nur durch Rückmeldungen der Teilnehmer und Erfahrungen der Verfasserin, sondern auch durch ein Evaluationsseminar 1999 in Weimar bestätigt wird.



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