Ausschließen und Abreißen

Wir haben die Wahl. Von neuen und alten Demokratien (Ausgabe III/2008)


Roms neuer Bürgermeister, Gianni Alemanno, ein früherer Faschist, will sich für die Förderung italienischer Filme stark machen zu Lasten von Filmen mit Hollywoodstars. Schauspieler wie Nicole Kidman und Leonardo DiCaprio sollen auf eine schwarze Liste. In Zukunft werden auf Anordnung des fünfzigjährigen Alemanno amerikanische Filmschauspieler, die in Scharen zum römischen Filmfestival strömten, nicht mehr eingeladen.
John Follain in THE SUNDAY TIMES (London) vom 05.05.2008

In seiner ersten Pressekonferenz als neugewählter Bürgermeister von Rom hat Gianni Alemanno am Mittwoch angekündigt, dass er ein von Richard Meyer entworfenes Museum abreißen lassen will. […] Das Museum aus Glas und Travertin war das erste wichtige gesellschaftliche Gebäude, das nach Mussolinis Zeit im Zentrum Roms errichtet wurde. Alemanno hatte versprochen, es im Falle seiner Wahl zu demontieren.
Elisabetta Povoledo in THE NEW YORK TIMES vom 01.05.2008

Wie man weiß, neigen ausländische Zeitungen dazu, im Falle von Italien ein wenig zu übertreiben und dennoch wird einem mulmig, wenn man die Überschrift in der Times liest: „Der Führer von Rom legt die amerikanischen Stars auf Eis“ […] Harsche Worte, die zeigen, dass diese Querelen, die scheinbar Italien-intern und Rom-zentriert sind, vom Ausland aufmerksam verfolgt werden.
Claudia Morgoglione in LA REPUBLICCA (Rom) vom 06.05.2008

Roms neuer rechtsgerichteter Bürgermeister hat bestritten, dass US-Stars auf schwarze Listen kämen und vom Film-Marathon ausgeschlossen würden. [...] In einem Brief an den Botschafter der USA erklärte er, dass „Gastfreundschaft in Rom heilig ist und die Stadt dieser Berufung immer Folge leisten werde.“
THE KUWAIT TIMES (Shuwaikh) vom 07.05.2008



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