Warum man in Tansania nicht mit Kindern schwimmen geht

Nickson Lutenda

Wir haben die Wahl. Von neuen und alten Demokratien (Ausgabe III/2008)


Für Erwachsene ist es eine Sünde, mit Kindern zu schwimmen, denn Shorts, Bikini oder Badeanzug enthüllen Teile des Körpers, die Kinder nicht sehen dürfen, weil sie sonst keinen Respekt mehr vor den Erwachsenen haben. Außerdem könnten sexuelle Begierden ausgelöst werden, die zwischen Erwachsenen und Kindern nichts zu suchen haben. Wenn eine Familie dennoch gemeinsam baden geht, kann das zu sozialer Isolation führen. Diese Normen und gesellschaftlichen Erwartungen werden von Generation zu Generation weiter getragen. Überlieferte Geschichten besagen, dass ein Kind psychischen Schaden davon trägt, wenn es den Intimbereich seiner Eltern sieht. Es kann böse Träume haben und sogar verflucht werden.
Generell wird öffentliches Schwimmen nicht gerne gesehen. Es gibt jedoch Ereignisse, die ein gemeinsames Bad nach sich ziehen. Traditionell geht man am Morgen nach Begräbnissen und Beschneidungszeremonien im Fluss oder Meer baden. Die Kinder stehen früh auf und sind als Erste im Wasser. Wenn dann die Eltern nachfolgen, schicken sie die Kinder nach Hause und baden mit den anderen Erwachsenen.
Auch ich selbst würde nicht mit meinen Kindern baden. Falls ich es doch täte, würden die Leute sich fragen, ob ich geistig gesund bin. Als ich das erste Mal Touristen mit ihren Kindern baden sah, war ich sehr überrascht und schockiert. 
 
 



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