Internationale Kulturbeziehungen

Gudrun Czekalla

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Ursprünglich verstand man unter Frankophonie die Gemeinschaft französischsprachiger Länder. Eine institutionalisierte Frankophonie existiert erst seit 1986, als die Organisation Internationale de la Francophonie (OIF) in Paris gegründet wurde. Waren anfangs überwiegend westeuropäische und afrikanische Länder Mitglieder der OIF, kamen später asiatische und osteuropäische Staaten hinzu. Heute umfasst die OIF 49 Nationen, wobei Afrika mit 29 Ländern immer noch die Mehrheit der Mitgliedstaaten stellt. Welche Rolle spielt die Frankophonie im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Austausch zwischen Afrika und Frankreich? Da die traditionell engen Beziehungen zwischen Afrika und Frankreich in der Außenpolitik nicht mehr den gleichen Stellenwert einnehmen wie zu früheren Zeiten, nutzen beide Seiten die OIF zur Pflege des bilateralen Verhältnisses und zur gegenseitigen Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Interessen in den internationalen Beziehungen. Frankreich kann auf diese Weise trotz der Abgabe außenpolitischer Kompetenzen an die EU seine afrikapolitischen Ambitionen weiterverfolgen. Für Afrika liegt die Bedeutung darin, dass sie Dialogmöglichkeiten und präventive Maßnahmen zur Konfliktdeeskalation bietet und einen gewissen Zwang zur Demokratisierung ausüben kann.

Die Rolle der Frankophonie in den franko-afrikanischen Beziehungen. Olivier Pierrot. Berlin: Wissenschaftlicher Verlag, 2006. 331 Seiten.



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