Besuch von Papa Bento

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Benedikt XVI. besucht ein Volk, das sich nicht mehr sicher ist, ob es noch in einem „país católico“, einem katholischen Land, lebt.
Sascha Lehnartz in FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG vom 13.05.2007

Es geht nicht darum, die unumstrittene katholische Komponente der gegenwärtigen lateinamerikanischen Kultur zu verneinen oder herunterzuspielen, aber das Leugnen, dass die-
se mit Blut und Feuer erzwungen wurde und einherging mit der Zerstörung der einheimischen Kulturen ist genauso beleidigend, wie die Behauptung der Geschichtsrevisionisten, die Ausrottung der Juden in Nazideutschland hätte niemals stattgefunden.
LA JORNADA (Mexico) am 14.05.2007

Ein aufschlussreiches Verschweigen prägt den päpstlichen Diskurs: Nur einmal erwähnt er die Basisgemeinden, kein Wort zu Befreiungstheologie oder sozialem Pastoral kein einziges Mal wird die globale Erwärmung angesprochen. Stattdessen hält er fragwürdige Vorträge über karitative Hilfswerke im Duktus der 50er-Jahre. Verschweigen ist auch eine Form des Negierens. (...) Wir brauchen jetzt einen Katholizismus mit indigen-schwarz-lateinamerikanischem Antlitz, nicht gegen, sondern in Gemeinschaft mit dem Römischen Katholizismus.
Leonardo Boff in DER STANDARD (Wien) vom 18.05.2007

Der Papst, der bei den Themen Abtreibung, Gewalt, Drogen und zur sexuellen Enthaltsamkeit eine sehr klare Sprache gefunden hat, hat sich im innerkirchlichen Richtungsstreit von keiner Seite vereinnahmen lassen. Und genau das war schon die Botschaft: Die katholische Kirche ist so groß, dass beide Seiten nebeneinander Platz haben. Vorausgesetzt, jeder gibt seinen Alleinvertretungsanspruch auf Christus auf.
Wolfgang Sotill in KLEINE ZEITUNG (Graz) vom 14.05.2007



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