Toleranz ist preisverdächtig

von Karola Klatt

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Mit den Premios Jovenes por la Tolerancia 07 werden vom Rat für Familie und Gleichstellung der Region Castilla y León in Spanien Jugendliche gefördert, die sich für ein multikulturelles Zusammenleben und Menschenrechte, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Jugendgewalt einsetzen. Preise werden in den Kategorien Jugendprojekte (1. Preis: 6.000 Euro, 2. Preis: 4.000 Euro und 3. Preis: 2.000Euro) und professionelle Projekte (18.000 Euro) vergeben.

Die Steiger Awards werden an Persönlichkeiten vergeben, die sich in den Bereichen Toleranz, Wohltätigkeit, Musik, Film, Medien, Sport und Umwelt engagieren und sich für das Zusammenwachsen Europas einsetzen. Entstanden ist der Preis aus der Privatinitiative zweier Bochumer Unternehmen. Sie wollen damit Kunst und Kultur in der Rhein-Ruhr-Region fördern. Der an den Bergmanns-Beruf des Steigers erinnernde Preis soll für Geradlinigkeit, Offenheit und Verlässlichkeit stehen. Er ist nicht dotiert. Der afghanische Präsident Hamid Karzai ist im März 2007 mit dem Steiger Award für Toleranz ausgezeichnet worden.

Am 14. Oktober 2006 wurden in New York zuletzt die Women’s World Awards 2006 verliehen. Königin Noor von Jordanien erhielt den World Tolerance Award für ihr Engagement um Frieden, Menschenrechte und die Rechte der Frauen.

Seit 2001 verleiht die Tschechoslowakische Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft (SVU) jährlich den mit 1.000 Dollar dotierten Andrew Elias Humanitarian and Tolerance Award. Er wird an Individuen vergeben, die sich in ihrem Leben und ihrer Arbeit von Toleranz und Mitgefühl leiten lassen.

Mit dem Preis für Toleranz und Fair Play im Sport zeichnet das Bundesministerium des Innern jährlich Sportlerinnen und Sportler aus, die sich besonders für die Gedanken von Fair Play und Toleranz eingesetzt haben. Überreicht wird die Trophäe von der nationalen Botschafterin für Sport, Toleranz und Fair Play, Rosi Mittermaier-Neureuther. Im Oktober 2006 wurden der Rennrodler Georg Hackl und die Speerwerferin Steffi Nerius ausgezeichnet.

Das Schechter Institute of Jewish Studies in Jerusalem verleiht jährlich den Marc and Henia Liebhaber Prize for the Promotion of Religious Tolerance and Cultural Pluralism in Israel. Rabbi Marc Liebhaber, Leiter einer nordamerikanischen jüdischen Gemeinde und früherer Präsident desWorld Council of Conservative/Masorti Synagogues, hat diesen Preis als Antwort auf die Polarisierung zwischen religiösen und nicht-religiösen Juden in Israel, die im Mord an Jitzak Rabin gipfelte, gestiftet. Er ist mit 50.000 Schekel (9.000 Euro) dotiert.

Mit dem KFE-Toleranzpreis 2007 des Kulturforum Europa e.V. ist der französische Schriftsteller Georges du Fresne für seine Darstellung der Hauptfigur Ludovic im Film „Mein Leben in Rosarot“ von Alain Berliner (1997) geehrt worden.

Der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln wird seit 1990 im Rahmen der Österreichischen Buchwoche an Autoren verliehen, die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz gegenüber den anderssprachigen und kulturell anders geprägten Nachbarn in herausragender Art und Weise eingesetzt und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben. Der Berliner Verleger Klaus Wagenbach hat 2006 den Ehrenpreis erhalten.

Der Journalism for Tolerance Prize der International Federation of Journalists (IFJ) wird für herausragende journalistische Leistungen im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung jährlich vergeben. Kategorien sind Print/Online, Radio und Fernsehen. Preisträger werden in fünf Regionen ermittelt: Lateinamerika, Zentral- und Westafrika, Ost- und Südafrika, Südasien und Südostasien. Die Preisträger erhalten 3.000 Euro.

Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ veranstaltet jährlich den Wettbewerb Aktiv für Demokratie und Toleranz. Bewertet wird zivilgesellschaftliches, alltägliches, ehrenamtliches Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Diskriminierung sowie Engagement für ein tolerantes Miteinander. Die Projekte werden mit Preisgeldern zwischen 1.000 und 5.000 Euro prämiert.

Einen Prix de la Tolérance organisiert die Straßburger Association des Amis de Marcel Rudloff seit 1998. Der Preis wird an Persönlichkeiten vergeben, die in ihren Aussagen oder ihrem Verhalten besondere Offenheit anderen gegenüber gezeigt haben. Seit 2002 werden auch Schulen ausgezeichnet. Unter dem Motto „Zusammen besser leben“ sollen Schüler eine gemeinsame Aktion durchführen, einen Videofilm drehen oder einen Text erarbeiten. Die besten Arbeiten werden mit 2.000 Euro belohnt.

Der Premio a la Tolerancia der Madrider Kommunalregierung zeichnet Personen aus, die öffentlich und aktiv gegen Intoleranz und Rassismus kämpfen. Diesjähriger Preisträger ist der kubanische Schriftsteller, Journalist und Politiker Carlos Alberto Montaner zusammen mit der senegalesischen Frauenrechtlerin Khady Koita, die sich als Präsidentin des EuroNet-FGM gegen die Beschneidung von Mädchen einsetzt.

Der Prix de la tolérance der Fondation Alex et Ruth Dworkin in Kanada prämiert seit 2006 Filmemacher, die durch ihre Filme eine Botschaft von Verständnis und Toleranz vermitteln. Der mit 5.000 Dollar dotierte Preis wird jährlich beim Filmfestival „Les Rendez-vous du cinéma québecois“ in Montréal und Québec verliehen.

Der UNESCO-Madanjeet Singh Prize for the Promotion of Tolerance and Non-Violence ist mit 100.000 Dollar dotiert und wird alle zwei Jahre zum internationalen Tag der Toleranz am 16. November vergeben. Ausgezeichnet werden Institutionen oder Persönlichkeiten, die sich in herausragender Weise für gegenseitige Verständigung und Gewaltlosigkeit eingesetzt haben. Benannt wurde der Preis nach seinem indischen Stifter, dem Künstler, Diplomat und Sonderbotschafter Madanjeet Singh. Veerasingham Anandasangaree, Präsident der Tamil United Liberation Front (TULF) in Sri Lanka, erhielt 2006 den Preis.

Neben seinen vielen Preisen für Völkerverständigung wurde Daniel Barenboim 2002 mit dem Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing ausgezeichnet, 2004 mit dem Toleranzpreis der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und 2006 mit dem Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin.



Ähnliche Artikel

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Thema: Wachstum)

Unsere kleine Farm

von Timothy Jones

Wie sich Landwirte und Verbraucher gegen die Nahrungsmittelindustrie zusammenschließen

mehr


Toleranz und ihre Grenzen (Thema: Toleranz)

„Willst du mich töten?“

ein Gespräch mit Krzysztof Dobrowolski

Krzysztof Dobrowolski erklärt, wie er an Amsterdamer Schulen Toleranz unterrichtet

mehr


Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Thema: Wachstum)

„Spielen im Dreck“

ein Interview mit Sri Agostini

Wie auf Bali Kinder zu Nachhaltigkeit erzogen werden. Ein Gespräch mit der Erzieherin Sri Agostini

mehr


Oben (Ich bin dafür, dass ...)

... die Visapolitik Europas liberaler wird

ein Kommentar von Stefan Weidner

Der sogenannte Einwanderungsdruck ist auch das Ergebnis der ultrarestriktiven Visapolitik. Ein Plädoyer für neue Gesetze 

mehr


Schuld (Was anderswo ganz anders ist)

Toleranz statt Clans

von Leoluca Orlando

Zur Geschichte Palermos gehören Gastfreundschaft und Toleranz

mehr


Toleranz und ihre Grenzen (Kulturprogramme)

Konstruktive Wut

von Christine Müller

Wie ein Rapper aus Angola Sozialarbeit an einer Berliner Schule macht

mehr