Wie man sich in Ägypten gegenübersitzt

von Aiman Abdallah

Toleranz und ihre Grenzen (Ausgabe III/2007)


Denn alles, was den Boden berührt und daher „dreckig“ ist, sollte nicht in das Gesicht eines anderen gehalten werden, weder die Schuhsohle noch der Fuß. Wenn Knie auf Knie liegt, ist das in Ordnung, denn dann ist der Fuß zum Boden gerichtet. Aber man sollte nicht den Knöchel auf das Knie legen, denn dann muss einem der andere auf die Sohle schauen. Wenn man allerdings vor einer Wand sitzt, ist diese Körperhaltung kein Problem. Breitbeiniges Sitzen und das Ausstrecken der Füße zu einem anderen hin ist selbst im familiären Kreis nicht gern gesehen. Man weist sich auch darauf hin, je nachdem, wie gut man sich kennt. In der Familie sagt man natürlich „Nimm den Fuß runter!“ oder „Vorsicht, dein Fuß zeigt in die Richtung eines anderen.“ In der Öffentlichkeit – wenn man zum Beispiel als Tourist oder neu im Land ist – würde man aus Höflichkeit wahrscheinlich nicht darauf hingewiesen werden. Aber alle würden denken: „Na, der hat sich ja ganz schön hingefläzt.“ Das Sicherste ist: beide Füße auf dem Boden. Wenn man die Beine übereinanderschlagen möchte, dann wirklich darauf achten, dass die Sohlen nach unten zeigen. Dann ist alles gut.



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