Geschichte der Außenpolitik

von Joachim Staron

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Das Deutsche Ausland-Institut (DAI) in Stuttgart habe sich in den Jahren zwischen 1933 und 1945 jeglicher politischer Einflussnahme enthalten und sei in keinerlei Verbrechen verwickelt gewesen – so lautete die offizielle Lesart in der Nachkriegszeit. In ihrer jetzt erschienenen Dissertation stellt die Politologin Katja Gesche diese Sichtweise infrage. Sie zeigt die enge Zusammenarbeit des DAI, der Vorgängereinrichtung des heutigen Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), mit Organisationen wie der NSDAP, der Gestapo und dem Propagandaministerium auf. Darüber hinaus, so Gesche, sei das DAI an der Weitergabe von Informationen über Auslandsdeutsche, der „Erfassung“ der osteuropäischen Bevölkerung zwecks Vertreibung und Vernichtung und der Massenumsiedlung im Zuge des Generalplans Ost unter SS-Planungshoheit beteiligt gewesen. Auch die Rolle des damaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters und Präsidenten des DAI Karl Strölin erscheint in neuem Licht. Gesche schildert ihn als überzeugten Nationalsozialisten, der in einer Bedeutungssteigerung des DAI auch einen möglichen Imagegewinn für Stuttgart und sich selbst gesehen habe.

Kultur als Instrument der Außenpolitik totalitärer Staaten. Das Deutsche Ausland-Institut 1933–1945. Katja Gesche. Köln: Böhlau Verlag, 2006. 416 Seiten.
 



Ähnliche Artikel

Oben (Praxis)

Die Brückenhüter

von Gundula Haage

Wie die Bewachung einer Flussgrenze den Frieden zwischen der Slowakei und Ungarn bewahrt

mehr


Frauen, wie geht's? (Forum)

Kulturprozesse sind nicht planbar

von Horst Harnischfeger

Kann Kultur evaluiert werden?

mehr


Das neue Italien (In Europa)

Einseitiges Türkeibild auflösen

von Zeynep Kuban

Nach dem vereitelten Militärputsch werden viele Künstler und Wissenschaftler in der Türkei verfolgt. Was bedeutet das für den Kulturdialog zwischen Europa und dem Land am Bosporus?

mehr


Unterwegs. Wie wir reisen (Köpfe)

Lernen von Osteuropa

Natalie Kronast (32) ist Gründungsgesellschafterin und Geschäftsführerin der 2007 gegründeten Inter:est GmbH, die sich um den Austausch von Kulturprojekten mit ...

mehr


Innenleben. Ein Heft über Gefühle (Praxis)

„Muss eine Stadt ein ‚Image‘ haben?“

von Manfred Prisching

Kultur als Standortfaktor: Welche Bedeutung hat Kultur für die Entwicklung von Städten und Regionen? Sind die gewaltigen öffentlichen Investitionen in Kulturevents und kulturelle Institutionen gerechtfertigt?

mehr


Das neue Italien (Praxis)

Korrektheit ist kein Schimpfwort

von Gregor Gysi

Hier eine Beleidigung, da ein Shitstorm: Der Umgangston in politischen Diskussionen wird immer härter, sachliche Kritik ist out. Ist uns die Debattenkultur abhandengekommen?

mehr