„Chinesische“ Lektion

What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen (Ausgabe II+III/2011)


Schon bevor „Battle Hymn of the Tiger Mother“, Amy Chuas bewusst politisch unkorrektes Buch über die Erziehung ihrer Kinder im „chinesischen Stil“, veröffentlicht worden ist, waren ihre Erziehungsmethoden Thema entrüsteter und ungläubiger Gespräche auf Spielplätzen, in Cafés und Supermärkten. Das wilde Stimmengewirr war von einem Textauszug losgetreten worden, den das Wall Street Journal unter dem Titel „Weshalb chinesische Mütter überlegen sind“ veröffentlicht hatte.
Annie Murphy Paul in TIME (New York) vom 20.1.2011

Chua spielt mit Amerikas Angst vor dem nationalen Niedergang. Sie inszeniert sich als chinesische Mutter, die hart arbeitet (und, apropos, sie ist nur eine von über einer Milliarde Chinesen!) und deren Kinder die unseren zu Staub zerstoßen werden.
David Brooks in THE NEW YORK TIMES vom 17.1.2011

Blogs und Websites sind heißgelaufen mit Verurteilungen der „traditionell chinesischen“ Erziehung, doch, ach!, wir Inder sind nicht weniger drakonisch. (...) Das ganze System basiert auf Angst und Entzug statt auf Ermutigung und Freude.
Janaki Lenin in THE HINDU (Chennai, Indien) vom 28.1.2011

Als eine chinesische Übersetzung des Buches Peking erreichte, war die aufwieglerische Aufmachung stark abgeschwächt. Das blutrot hinterlegte Cover ist verschwunden. Stattdessen zeigt die chinesische Fassung die Autorin lächelnd und im schwarzen Anzug vor der amerikanischen Flagge stehend. Über ihr prangt der neue Titel: „Eine amerikanische Mutter“. (...) Die Änderungen sollen die Aggressivität des „Schlachtgesangs“ abschwächen, damit das Buch auch chinesische Leser anspricht, sagt der Verleger Wang Feifei.
Cheng Yunjie, Sun Yi und Wang Sihai in XINHUANET (Peking) vom 26.1.2011



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