Standard erweitert

Claudia Kotte

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Als „Das Europa der Kulturen“ vor fünf Jahren erstmalig erschien, war es in kurzer Zeit vergriffen. Das Standardwerk zur Europäischen Kulturpolitik von Olaf Schwencke liegt nun, kurz vor dem Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, in zweiter, erweiterter und aktualisierter Auflage vor. Diese Tatsache allein beweist das beharrliche Eintreten des Autors für die europäische Dimension der Kulturpolitik. Skeptiker, die eine Aushöhlung der nationalen Kulturhoheit fürchten, erinnert Schwencke an die entscheidenden Impulse, die Deutschland der europäischen Kulturpolitik zu verdanken hat.
Anknüpfend an seine erste Auflage, beleuchtet der Autor die schrittweise politische Verankerung der europäischen Kulturpolitik in den unterschiedlichen Institutionen bis 2006. Er stellt die unterschiedlichen Akteure, Instrumente und Programme in ihren zeitgeschichtlichen Zusammenhang und präsentiert die wegweisenden europäischen Beschlüsse und Erklärungen zur Gestaltung der kulturellen Demokratie in Europa in deutscher Sprache.
In seiner zweiten Auflage fügt Schwencke nicht nur die Erklärungen und Aktionspläne hinzu, die seit 2001 entstanden sind – insbesondere hebt er die völkerrechtliche Relevanz der UNESCO-Konvention zur Vielfalt der Kulturen hervor –, sondern darüber hinaus überdenkt er in ihrem Licht die komplette Geschichte europäischer Kulturpolitik. Ohne ein Verständnis der hier geschilderten Grundlagen europäischer Kulturpolitik sind weder weiterreichende Diskussionen noch neue Initiativen möglich. Schwencke selbst reißt einige von ihnen auf den letzten Seiten an und betont, dass die Europäische Union als politisches Projekt scheitern werde, wenn sich Europa nicht kulturell verwirkliche.

Das Europa der Kulturen – Kulturpolitik in Europa. Dokumente, Analysen und Perspektiven – von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. erweiterte und aktualisierte Auflage. Von Olaf Schwencke. Klartext, Essen/Bonn 2006.



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