Editorial

von Jenny Friedrich-Freksa

What? Wie wir fremde Sprachen übersetzen (Ausgabe II+III/2011)

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Foto: Max Lautenschläger


So wenig, wie man einen anderen Menschen in seiner Gesamtheit erfassen kann, so wenig kann man eine andere Sprache und ihre Kultur vollständig begreifen. Aber man kann sich dem Fremden annähern. Wer ein Buch übersetzt, eine Rede dolmetscht oder ein Gespräch in Zeichensprache wiedergibt, versucht genau dies: eine Nähe herzustellen zwischen einer Sprache und einer anderen, zwischen zwei verschiedenen Systemen des Denkens und des Fühlens, zwischen zwei unterschiedlichen Arten, die Welt zu betrachten. Übersetzen heißt, so hat es der italienische Autor Italo Calvino einmal gesagt, „wissen, wie die beiden Sprachen einander ihr innerstes Wesen übermitteln können.“

In dieser Ausgabe erzählen Übersetzer von ihrer Arbeit: wie sie nach dem richtigen Klang eines Textes, der adäquaten Satzstruktur oder den passenden Vokabeln suchen (darf man aus einem norwegischen Buhund einen deutschen Dackel machen?). Immer geht es darum, eine Gleichwertigkeit zwischen der Kultur der Ursprungssprache und derjenigen der Zielsprache herzustellen. Manches aber bleibt unübersetzbar, und das macht vielleicht den größten Reiz des Fremden aus.

Nicht immer ist Verständigung gewollt. Sprache wird oft auch missbraucht. Das Mubarak-Regime hat den Begriff „Demokratie“ völlig anders verwendet, als er ursprünglich gemeint war. Und der Autor Juri Andruchowytsch erzählt, wie empört viele Russen sind, wenn es darum geht, Dostojewski oder Tschechow ins Ukrainische zu übersetzen. Denn sie halten die ukrainische Sprache der russischen für nicht ebenbürtig.

Manches erscheint klarer in einer anderen Sprache, manches umständlicher – immer aber entsteht etwas Neues. 



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