Woran die Neuseeländer bei „Nummer acht“ denken

von Tracey Barnett

Körper (Ausgabe II/2010)


Es ist ein unscheinbares Stück Draht. Zugegebenermaßen ziemlich dick, etwa 3,3 Millimeter: Aber für Neuseeländer ist der „number eight wire“ eine Art Allzweckwerkzeug: Geben Sie einem „Kiwi“, wie sich die Bewohner des Inselstaats im Südpazifik selbst nennen, ein Stück „Nummer-acht-Draht“ und er wird vor keiner noch so großen Aufgabe zurückschrecken. Angeblich bringt dieses Wundermetall eine Kernfusion zustande, schlägt eine ganze Flotte somalischer Piraten in die Flucht und repariert einen kaputten Schuh. Das zumindest ist die Idee hinter der „Nummer-acht-Draht“-Mentalität, dem Mantra eines jeden waschechten neuseeländischen Mannes. In einem Land, das in der Landwirtschaft seine Ursprünge hat, hatte man den „Nummer acht-Draht“ auf jeder Farm, um das Vieh einzuzäunen. Im Notfall mussten die Farmer mit dem, was sie hatten, improvisieren. So wurde „Nummer-acht“ zum Allzweck-Problemlöser.

Heutzutage bilden sich die Kiwis noch immer etwas darauf ein, mit dem, was gerade zur Hand ist, selbst für die kleinsten Herausforderungen ausgeklügelte Reparaturen hinzubekommen, auch wenn der moderne Neuseeländer den gewöhnlichen Farmdraht vielleicht noch nie tatsächlich in seinen Städterhänden hielt. Das Leben mit der „Nummer-acht-Draht“-Mentalität anzugehen, heißt für den Neuseeländer, dass er mit fast nichts alles auf patente Weise reparieren kann.



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