Was geht?

Treffen sich zwei. Westen und Islam (Ausgabe II/2009)


„Ich versuche, nur Erlaubtes zu essen, aber meine Freunde bringen mir immer Essen mit, das Gelatine von verbotenen Tieren enthält. Ich möchte nicht unhöflich ablehnen, aber ich möchte auch nichts falsch machen. Was soll ich nur tun?“

1. Stammt die Gelatine von Fleisch, dessen Verzehr uns Muslimen gestattet ist und das muslimisch korrekt geschlachtet wurde, dann dürfen wir sie essen. Stammt sie aber von einem Tier, das nicht korrekt geschlachtet wurde, dann dürfen wir diese Gelatine nicht verspeisen oder als Zutat in Essen oder Trinken verwenden. Wir warnen vor der Reklame von Firmen, die den Käufer verwirren und nur darauf abzielen, ihre Produkte zu verkaufen. Du musst also achtgeben.
Fatwa Center Online, www.islamweb.net

2. Ich denke, du machst es dir zu schwer, Schwester. Nimm es leichter, sei nicht rigide und versuche nicht, die Dinge zu komplizieren. Unnachgiebigkeit wird im Islam verurteilt, und eine Art der Unnachgiebigkeit ist es, es mit jedem kleinen Detail pedantisch genau zu nehmen. Willst du bestimmte Speisen nicht verzehren, entschuldige dich höflich, dann beschämst du auch niemanden, indem du nach Zutaten und Ähnlichem fragst.
Zienab Mostafa, Islamrechtsgelehrte aus London, www.islamonline.net

„Ich habe mir ein Tattoo stechen lassen, bevor ich wusste, dass das ,haram, also im Islam verboten, ist. Kann ich es behalten oder muss ich es entfernen?“

1. Tätowierungen, in allen Formen und Mustern, sind im Islam ausdrücklich verboten. Wie Bukhari (Red.: Überlieferer von Taten und Aussagen des Prophten Mohammed) berichtet, sagte der Prophet: „Gott verflucht diejenigen, die tätowieren und sich tätowieren lassen und auf diese Art Gottes Schöpfung entstellen.“

Gott sagt uns im Koran: „Er gebietet ihnen das Gute und verbietet ihnen das Böse“ (Koran, Sure 7, Vers 157). Sowohl früher als auch heute wird in einigen Gesellschaften die Tätowierung als ein Symbol der Mode gesehen, dennoch haben Wissenschaftler „eine Reihe von negativen Auswirkungen auf die Gesundheit aufgedeckt, die mit Tätowierungen im Zusammenhang stehen“, unter anderem: Virusinfektionen, etwa Hepatitis, HIV und Hautkrankheiten bakterielle Infektionen, etwa die Eiterflechte, Geschlechtsgeschwüre, Tuberkulose Pilzinfektionen verändertes Verhalten.
Ahmad Kutty, Islamic Institute Toronto, www.islam.ca

2. Abdullah bin Masud (Red.: Gefährte Mohammeds) sagte: „Gott verflucht die Frauen, die sich tätowieren lassen und die auch andere tätowieren.” Dies ist ein solider Beweis, dass Tätowierungen in allen Formen eine große Sünde sind. Tätowierte Frauen sehen demnach großen Gefahren ins Auge und werden am Jüngsten Tag hart bestraft. Man sollte also augenblicklich Buße tun und solche Dinge entfernen. Verzögern Männer oder Frauen absichtlich die Entfernung des Tattoos, so begehen sie eine Sünde. Imam Al-Nawawi (Red.: Gelehrter des 13. Jhd.) sagt: „Wenn es durch Behandlung entfernt werden kann, muss es entfernt werden. Verursacht die Behandlung jedoch große Probleme, das heißt Verletzung, Schmerzen oder Wunden, so kann es auch belassen werden, denn Allah möchte kein Leid über seine Gemeinschaft bringen.“
Fatwa Center Online, www.islamweb.net

„Ich bin kein Muslim, habe aber eine Reihe von muslimischen Freunden und Mitarbeitern. Wünsche ich diesen einen ,guten Ramadan’? ‚Fröhlichen Ramadan’? ,Gutes Fasten’? Oder sage ich gar nichts?”

1. Ein Lob für deinen Wunsch, muslimischen Kollegen und Freunden dein Entgegenkommen auszudrücken. Es gehört sich für Menschen aller Religionen, herzliche Beziehungen zueinander zu entwickeln und dadurch mitzuhelfen, unser globales Dorf zu einem besseren Ort für die gesamte Familie Gottes zu machen. Nun zu deiner Frage: Es ist völlig in Ordnung, wenn du deinen Kollegen einen „gesegneten Ramadan“ wünschst. Wenn du sogar lernst, „Ramadan Mubarak“ zu sagen, ist das noch besser. Für Muslime ist der Ramadan eine Zeit der geistigen und seelischen Erneuerung, es ist daher für sie das Schönste, wenn man ihnen einen spirituell bereichernden Monat wünscht. Lass mich dir meinerseits ebenfalls spirituell bereichernde Zeiten wünschen!
Ahmad Kutty, Islamic Institute Toronto, www.islam.ca

„Ist Oralsex im Islam erlaubt?“

1. Es ist verheirateten Paaren erlaubt, einander zu genießen, solange ihr Tun nicht den Lehren des Islam zuwiderläuft oder die öffentliche Norm missachtet. Oralsex ist nichts, was sündhaft ist, solange es nur um Küssen und nicht um dauerhaften Genuss geht. Menschen mit großer Sittlichkeit enthalten sich normalerweise diesem Akt, um ein Imitieren von Nicht-Muslimen zu verhindern.
Obwohl Oralsex nicht „haram“, also nicht verboten, ist, ist es doch eine völlig widerliche Praktik und entspricht nicht dem unverdorbenen Geschmack und Anstand der muslimischen Persönlichkeit.
Dr. Sabri Abdoul Raouf, Professor für Islamische Rechtswissenschaft an der Al-Azhar-Universtät, Kairo, www.islamonline.net

2. Ich wurde nach Oralsex in Amerika und Europa gefragt, als ich diese Länder in den frühen 1970er-Jahren bereiste. Ich bin es nicht gewohnt, in muslimischen Ländern solche Fragen gestellt zu bekommen. Im Westen zieht man sich während des Geschlechtsaktes völlig nackt aus. Die Frauen haben die Zügellosigkeit, im täglichen Leben nichts zu tragen, was ihren Körper abschirmen könnte. Daher brauchen Paare im Westen mehr Reize während des Verkehrs.
Yusuf al-Qaradawi, Rechtsgelehrter der Al-Azhar-Universität, Kairo, www.islamonline.net

3. Es gibt nichts im Islam, was einem verheirateten Ehepaar die gegenseitige orale Befriedigung kategorisch verbietet, wenn sie auf gegenseitiges Einvernehmen hin geschieht. Allerdings bestehen Zweifel, was das Konsumieren von Körperflüssigkeiten betrifft, die laut Imam Abu Hanifa als unrein gelten. Es ist allerdings festzuhalten, dass diese Auffassung von anderen Gelehrten wie etwa Imam Schafi’i nicht geteilt wird. Eine Regelung, dass verheiratete Paare sich auf diese Art befriedigen dürfen, findet sich in einem der Standardlehrwerke der schafiitischen Rechtsschule.
Ahmad Kutty, Islamic Institute Toronto, www.islam.ca

„Ist es erlaubt, dass ich an einem normalen Arbeitstag während des Ramadan mit Mundwasser gurgele, angesichts der Tatsache, dass ich ja ständig mit Menschen interagiere?“

1. Deine Absicht, im Alltag und beim Zusammenarbeiten mit anderen Menschen angenehm und ansprechend aufzutreten, ist wahrhaft lobenswert, alle Muslime sollten dies tun, denn der Islam lehrt uns, menschenfreundlich zu sein und freundlich im Umgang mit anderen. Zu deiner Frage betreffend der Anwendung von Mundwasser während des Ramadan: Es ist daran nichts Falsches, solange man darauf achtet, das Wasser nicht zu verschlucken. Es versteht sich von selbst, dass wir auch Zahnpasta zum Putzen verwenden dürfen. Ich möchte diesen Punkt betonen, da viele Muslime oft den falschen Eindruck haben, dass diese Handlungen das Fasten brechen würden. Diese Handlungen fallen in keiner Weise unter den Begriff des Trinkens oder der Nahrungsaufnahme. Der Prophet selbst, Friede sei mit ihm, putzte sich selbst auch während des Ramadan mehrmals am Tag die Zähne, genauso wie er sich Wasser zur Kühlung über den Kopf zu gießen pflegte.
Ahmad Kutty, Islamic Institute Toronto, www.islam.ca

„Was ist Ihr Urteil betreffend Muslimen, die in nicht muslimische Länder reisen, um dort ihre Ferien zu verbringen?“

Was die Klassifizierung islamischer und unislamischer Länder betrifft, so ist es eine persönliche Unterteilung, die weder im Koran noch in der Sunna mit Textstellen unterfüttert wird. Verlässliche Gelehrte nennen als Kriterium der Einteilung, ob man in diesem Land die Freiheit hat, seinen Glauben zu praktizieren. Auch wer in einem Land lebt, in dem der Islam nicht verwurzelt ist, wird als ein im Land des Islam Lebender bezeichnet – wenn er oder sie seine Religion frei ausüben und seinen Glaubensgrundsätzen folgen kann. Du kannst also in nicht muslimische Länder in den Urlaub fahren.
Sheikh Attyah Saqr, Ehemaliger Vorsitzender des Fatwa-Komitees der Al- Azhar-Universität, Kairo, www.islamonline.net

Zur Information: Der Begriff „Fatwa“ ging mit dem Autor Salman Rushdie um die Welt. Eine Fatwa wird auch meist mit einem Todesurteil assoziiert. Sie entspricht aber eher der religiösen Variante eines Expertengutachtens: Fragt sich ein Muslim, wie er in einer konkreten Situation verfahren soll, so bittet er einen islamischen Rechtsgelehrten seines Vertrauens um Rat. Dieser Gelehrte, der „Mufti“, sucht dann in den religiösen Quelltexten nach Antworten oder auch Argumentationshilfen, mittels derer er dann eine Fatwa für den konkreten Einzelfall ausarbeitet. Auch online beantworten namhafte Gelehrte mittlerweile die Anliegen der Fragenden, der „Mustaftis“. In diesen Datenbanken herrscht eine Tendenz zur konservativen Auslegung, den Aufruf zum Heiligen Krieg sucht man hier aber vergeblich. In vielen Fällen wollen die Fragenden einfach ihre persönlichen Probleme klären.

Zusammengestellt und aus dem Englischen übersetzt von Corinna Morell



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