Warum Slowenen gerne dreckige Witze reißen

von Slavoj Žižek

Treffen sich zwei. Westen und Islam (Ausgabe II/2009)


Darin sind Bosnier immer vulgär und Montenegriner faul. Zum Beispiel: Wie masturbiert ein Mann in Montenegro? Er gräbt ein Loch in den Boden und wartet auf das Erdbeben.

Solche Witze dienen als Eisbrecher. Um sich wirklich nahezukommen, müssen auch mal Obszönitäten ausgetauscht werden. Mit den politischen Spannungen zwischen den Völkern im letzten Jahrzehnt des jugoslawischen Staats verschwanden die Witze und bürgern sich erst jetzt langsam wieder ein. Das ist der empirische Beweis, dass dieser Humor absolut antirassistisch ist. Er gedeiht gerade bei guten Beziehungen. Man sollte also nie in die Falle der Political Correctness tappen.

Als ich meinen Militärdienst leistete, war ich schockiert. Die Armee war voller dreckiger Witze, aber diese hatten keinen subversiven Charakter. Die Slowenen lachen gerne über sich selbst. Etwa über ihren sprichwörtlichen Geiz. Das geht dann so: Ein slowenischer Bauer liegt auf dem Sterbebett und fragt: Seid ihr alle da? Meine Kinder? Meine Enkelkinder? Ja, wir sind alle da, antworten diese. Daraufhin brummt der Alte: Wenn ihr alle hier seid, warum brennt dann in dem hinteren Zimmer noch Licht?



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