Die beliebtesten Kälbernamen in der Schweiz

Treffen sich zwei. Westen und Islam (Ausgabe II/2009)


1 Tina (872)
 
2 Flona (851)
 
3 Diana (846)
 
4 Bella (825)
 
5 Sina (759)
 
6 Nora (752)
 
7 Amanda (690))
 
8 Nina (678)
 
9 Bianca (663)
 
10 Petra (637)
 
 
2 Flona 
Jahrelang die unangefochtene Nummer eins der Kuhnamenshitparade, musste „Fiona“ sich 2008 mit Platz zwei begnügen. Für die anhaltende Popularität dieses Vornamens liefert Jürg Guggisberg von der Berner Tierverkehrsdatenbank zwei Erklärungsversuche: Dem ersten zufolge stand für die insgesamt 851 Fionas in eidgenössischen Ställen die Miss Schweiz des Jahres 2004, Fiona Hefti, Pate. Zweitens wurden die Kühe nach der Geliebten des (unter Schweizer Milchviehhaltern offenbar besonders beliebten) Märchenfilmhelden Shrek benannt. Wenn Kühe ein Wörtchen mitzureden hätten, würden sie sicher für die erste Erklärung votieren – ist es doch auch für Rindviecher ungleich schmeichelhafter, nach einer Schönheitskönigin benannt zu sein als nach einem grünhäutigen Wesen wie Shrek mit Knollennase und Trompetenohren.
 
 
7 Amanda
Sämtliche Kuhnamen der Top-Ten-Liste enden auf a, aber keiner von ihnen hat so viele a zu bieten wie „Amanda“. Sprachgeschichtlich betrachtet eine hervorragende Wahl, sind Kühe doch gerade diesem Buchstaben von jeher herzlich verbunden: Das Aleph, der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets, stellte ursprünglich den stilisierten Kopf eines gehörnten Rindes dar. Und auch das griechische Alpha, aus dem sich unser Buchstabe a entwickelt hat, erinnert an die um 90 Grad gedrehte Vorderansicht einer Kuh. Wenn ein Kuhhirt seine Amanda zum Melken ruft, benutzt er also nicht nur einen ausnehmend liebreizenden Namen – er erweist der Kuh auch, bewusst oder unbewusst, symbolisch seine Hochachtung: Hab Dank, Amanda! Unser Alphabet begann mit der Kuh.
 
 
10 Petra
Diesem Namen fehlt zwar die verrucht-mondäne Eleganz einer „Diana“ sowie die freche Koketterie von „Bella“ oder „Bianca“, aber vielleicht trifft er gerade deshalb das wahre Wesen der Kuh. Der Name „Petra“ ist so wuchtig, behäbig und solide wie das Gotthardmassiv – nicht von ungefähr bedeutet er „der Fels“. Und welches Tier, außer vielleicht der Galapagosschildkröte, kommt dem Wesen eines Felsen näher als die Kuh? Steingrau, eine halbe Tonne schwer und scheinbar unverrückbar liegt sie im Sommer auf der Almwiese, betrachtet gleichmütig das Treiben der Welt und käut das am Morgen gerupfte Gras wieder. Kein Wunder, dass Kühe für Friedrich Nietzsche den Inbegriff gelassener Zufriedenheit darstellten: „So wir nicht umkehren und werden wie die Kühe“, schrieb er in „Also sprach Zarathustra“, „so kommen wir nicht in das Himmelreich.“
 

Zusammengestellt von Florian Werner, Autor des Buchs „Die Kuh. Leben, Werk und Wirkung“ (Nagel & Kimche, Zürich, 2009)



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