Marmor, Stein und Eisen bricht

ein Gespräch mit Cristina Sabbioni

Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert (Ausgabe II/2008)


Wenn wir über die Folgen des Klimawandels nachdenken, scheinen die Gefahren für Kulturgüter nachrangig zu sein. Warum appellieren Sie dafür, ihnen mehr Beachtung zu schenken?

Kulturgüter sind eine nicht erneuerbare Ressource. Sie sind das Vermächtnis unserer Kultur. Wir müssen sie schützen und für zukünftige Generationen bewahren, weil sie eine Antwort geben können auf die Frage, wer wir sind. 
 
Welche meteorologischen Veränderungen sind kritisch für historische Gebäude und archäologische Stätten?

Es sind Veränderungen im gesamten Wasserhaushalt, die Kulturgüter bedrohen, nicht nur in Form von Niederschlägen, sondern auch durch eine Erhöhung der relativen Luftfeuchtigkeit, die wir für ganz Europa erwarten. Die relative Luftfeuchtigkeit beeinflusst eine ganze Reihe von Prozessen, wie zum Beispiel die biologische Zerstörung von organischem Material wie Holz oder die Salzkristallisation, die vor allem die gotische Architektur angreift. Verstärkte Regenfälle werden dazu führen, dass die Oberflächen von Marmor und Kalkstein stärker auswaschen und auslaugen. Wir erwarten auch eine Zunahme der Korrosion von Eisen und Bronze in Nordeuropa durch den Anstieg der Durchschnittstemperatur. Nur Frostschäden werden in Zukunft abnehmen. 
 
Was muss getan werden, um unser kulturelles Erbe zu schützen?

Wir müssen auf drei Ebenen handeln: Wir brauchen noch mehr Forschung, um genauere Vorhersagen auch für einzelne historische Gebäude und Stätten treffen zu können. Wir müssen das Bewusstsein für eine Bedrohung unserer Kulturgüter stärken. Die Auswirkungen des Klimawandels auf Kulturgüter finden in den Berichten des Weltklimarates bisher keine Beachtung. Und wir müssen die Manager kultureller Stätten in Europa über die Gefahren informieren, von denen sie oft gar nichts wissen, denn Kulturgüter haben auch eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Das Interview führte Karola Klatt



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