82 % der jungen Kapverdier sind von der Demokratie enttäuscht

kommentiert von Brígida Morais

Unter der Erde (Ausgabe I/2022)


Auf den kapverdischen Inseln sind viele Menschen im Alter von 18 bis 35 Jahren mit der Demokratie unzufrieden. Dieser Vertauensverlust in das politische System drückt sich zuletzt auch in einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung aus. Bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober 2021 lag diese bei gerade einmal 48 Prozent. Gründe für diese Politikverdrossenheit gibt es viele, etwa die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen, die bislang auch durch staatliche Investitionen in den Bildungssektor nicht abgefedert werden konnte. Weiterhin scheint bei der Suche nach einem Arbeitsplatz oft die Farbe des Parteibuchs wichtiger zu sein als der akademische und berufliche Hintergrund. Deshalb nutzen einige junge Menschen den Weg in die Politik als soziale Aufstiegsmöglichkeit. Die etablierten Politiker wiederum bedienen mit ihren politischen Entscheidungen oft nur die Interessen einer kleinen Elite. So wird die  Kluft zwischen der Zivilgesellschaft und der Politik noch größer. Viele junge Kapverdierinnen und Kapverdier wandern deshalb auf der Suche nach einem besseren Leben aus. Die Zahl der in der Diaspora lebenden Kapverdier ist bereits seit Jahren größer als die Einwohnerzahl des Archipels.

Quelle: Afrobarometer 2021

Aus dem Portugiesischen von Timo Berger



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