Warum Holländer alles dreimal versuchen

von Wouter Sotthewes

Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert (Ausgabe II/2008)


Der Schiffer war verpflichtet, für drei Mahlzeiten am Tag zu sorgen, und ungehobelte Tischmanieren wurden mit drei Schlägen bestraft. Wer an Bord starb, wurde in ein Segeltuch gewickelt und mit den Worten „Een, twee, drie, in Gods naam“ dem Meer übergeben.
Heute erinnert daran noch die niederländische Redewendung „Driemaal is scheepsrecht“. Nicht ganz gleichbedeutend mit „Aller guten Dinge sind drei“ beschönigt dieses Sprichwort den dritten Versuch. Beim dritten Mal Erfolg zu haben, ist für Holländer eigentlich noch besser als beim ersten Mal – weil dreimal Schiffsrecht ist.

Die Friesen besitzen in ihrer Sprache eine ähnliche Redewendung. „Trije is skippers-rjucht en ien for de feint“, das bedeutet: „Dreimal ist Schiffsrecht und einmal für die Knechte“. Die Erklärung dafür kommt wieder aus der Seefahrt. Friesische Tabakhändler hatten die Erlaubnis jeweils drei Pfund Tabak steuerfrei für den eigenen Gebrauch zu befördern, und zusätzlich ein Pfund für den Knecht. Ob die Friesen heute noch auf das vierte Mal setzen oder den vierten Versuch so hoch halten wie die Holländer den dritten, ist fraglich.



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