Warum Frauen in Südkorea auf der Straße nicht rauchen

von Hyun-Jeong Kim

Heiße Zeiten. Wie uns das Klima verändert (Ausgabe II/2008)


Der Konfuzianismus wurde im 15. Jahrhundert zur Staatsphilosophie und hat seitdem die Gesellschaft beeinflusst. Damals verlangten die gesellschaftlichen Normen unter anderem von den Kindern pietätvolles Verhalten und Respekt gegenüber den Eltern, und die Frau sollte sich dem Mann unterordnen. Auch das Rauchen war damals ein männlicher Genuss. Heute sind Männer und Frauen wie im Westen ganz selbstverständlich gleichgestellt, doch die konfuzianische Tradition ist teilweise noch erkennbar, beispielsweise wenn eine Frau in der Öffentlichkeit raucht.

Die Akzeptanz gegenüber öffentlich rauchenden Frauen ist eine Generationenfrage, jüngere Menschen haben diesbezüglich sehr viel weniger Vorbehalte als ältere. Diese finden immer noch, dass sich das auch heute nicht gehört und äußern teilweise lautstark ihren Unmut. Das kann mitunter sogar ausländischen Frauen passieren, die sich nichtsahnend eine Zigarette in der Öffentlichkeit anzünden. Noch deutlicher wird die Tradition im Umgang zwischen Kindern und Eltern. So ist es beinahe unvorstellbar, dass sich Kinder, egal ob männlich oder weiblich, im Beisein ihrer Eltern eine Zigarette anzünden, dies wäre kein pietätvolles Verhalten. Dabei ist es egal, wie alt die Kinder sind, das gilt, so lange die Eltern leben.



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