„Ich musste beim Fotografieren eine Schutzbrille tragen“

eine Bildergalerie von Natalia Kepesz

Das neue Polen (Ausgabe III/2021)

  • Ein altes Haus und sein Besitzer am Rande der polnischen Kleinstadt Goldberg (Złotoryja). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Ein altes Haus und sein Besitzer am Rande der polnischen Kleinstadt Goldberg (Złotoryja). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Junge in einem militärischen Wochenendcamp in der Nähe von Danzig. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

    Junge in einem militärischen Wochenendcamp in der Nähe von Danzig. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

  • Ein Blick in die Hinterhöfe von Goldberg. Viele Anwohner haben hier eigenhändig provisorische Hauserweiterungen und Gartenschuppen an ihr Zuhause angebaut. (Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg)

    Ein Blick in die Hinterhöfe von Goldberg. Viele Anwohner haben hier eigenhändig provisorische Hauserweiterungen und Gartenschuppen an ihr Zuhause angebaut. (Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg)

  • Eine Einwohnerin von Goldberg. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Eine Einwohnerin von Goldberg. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • In den Bächern und Flüssen von Złotoryja wurden einst Goldsande gefunden – daher stammt auch der deutsche Name des Ortes: »Goldberg«. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    In den Bächern und Flüssen von Złotoryja wurden einst Goldsande gefunden – daher stammt auch der deutsche Name des Ortes: »Goldberg«. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Eines der großen Mietshäuser aus der Umgebung von Goldberg. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Eines der großen Mietshäuser aus der Umgebung von Goldberg. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Ein von der polnischen Grenzwacht errichtetes Baumhaus an der Grenze zur Tschechischen Republik. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Ein von der polnischen Grenzwacht errichtetes Baumhaus an der Grenze zur Tschechischen Republik. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • In voller Montur: Einer der Mitveranstalter eines  militärischen Sommercamps für Jugendliche im Wald von Deep (Mrzeżyno), nahe der polnischen Küste. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

    In voller Montur: Einer der Mitveranstalter eines militärischen Sommercamps für Jugendliche im Wald von Deep (Mrzeżyno), nahe der polnischen Küste. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

  • Ein von Anwohnern gezimmerter Taubenschlag in Waldenburg (Wałbrzych). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Ein von Anwohnern gezimmerter Taubenschlag in Waldenburg (Wałbrzych). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Zwei Schwestern aus Goldberg (Złotoryja). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Zwei Schwestern aus Goldberg (Złotoryja). Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Kurze Verschnaufpause: Eine Frau aus Goldberg (Złotoryja) ruht sich aus, nachdem sie ihrer Mutter beim Hausputz geholfen hat. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

    Kurze Verschnaufpause: Eine Frau aus Goldberg (Złotoryja) ruht sich aus, nachdem sie ihrer Mutter beim Hausputz geholfen hat. Foto: Natalia Kepesz, Serie Goldberg

  • Junge Teilnehmende eines militärischen Sommercamps in Deep (Mrzeżyno) bei einer Übung. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

    Junge Teilnehmende eines militärischen Sommercamps in Deep (Mrzeżyno) bei einer Übung. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

  • Training im Pool: Der Teilnehmer eines Jugendcamps in Deep (Mrzeżyno) taucht mit Gewehr. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch

    Training im Pool: Der Teilnehmer eines Jugendcamps in Deep (Mrzeżyno) taucht mit Gewehr. Foto: Natalia Kepesz, Serie Niewybuch


Frau Kepesz, wir zeigen in diesem Heft Bilder aus zwei Serien von Ihnen. Sie selbst sind in Złotoryja geboren, nach dessen deutschem Namen, „Goldberg“, eine der Serien benannt ist. Was verbinden Sie mit Ihrer Heimat?

Ich kenne das Gefühl der Wurzellosigkeit sehr gut. In Goldberg gibt es niemanden, dessen Familie seit Generationen dort lebt. Als Niederschlesien nach 1945 polnisch wurde, flohen die dort lebenden Deutschen. Mitten in der Natur sind die Ruinen wunderschöner alter deutscher Häuser zu entdecken. Ich erinnere mich daran, wie wir als Kinder immer in diesen verfallenen Schlössern herumgeklettert sind und nach Schätzen gesucht haben. Denn viele Menschen mussten sehr kurzfristig fliehen und haben Wertsachen zurückgelassen. Immer wieder findet jemand altes Porzellan oder Schmuck. Es ranken sich auch sehr viele Mythen um die Umgebung, etwa das Gerücht vom goldenen Zug: Demnach wurde Ende des Zweiten Weltkrieges in der Nähe von Waldenburg (Wałbrzych) ein Zugwaggon voller Gold und Schmuck versteckt – angeblich ist das der verschollene Schatz von Breslau. Noch heute suchen Menschen in den Wäldern danach.

Ihre zweite Bildserie, „Niewybuch“, zeigt Kinder, die in Militärcamps Krieg spielen. Wie kamen Sie auf dieses Thema?

Es ist sehr populär geworden, dass Eltern ihre Kinder in Sommer- oder Wochenendcamps schicken, wo sie militärisch gedrillt werden. Ich finde es schwierig, Kinder mit Waffen auszubilden, die überhaupt nicht zu ihrem Alter passen. Damit wollte ich mich auseinandersetzen.

Einige der Bilder sind martialisch. Sie zeigen bewaffnete Kinder in Uniform. Wie hat es sich für Sie angefühlt, solche Szenen zu fotografieren? 

Mich hat die Recherche sehr berührt, teilweise habe ich mich wirklich wie im Krieg gefühlt. Ich musste beim Fotografieren eine Schutzbrille tragen. Wenn die Kinder im Wald schießen, kann man sich verletzen, auch wenn es nur Plastikkugeln sind. Sie haben sehr ernsthaft trainiert, niemand ist dabei aus der Rolle gefallen.           

Welche Rolle spielt militärische Bildung im polnischen Schulsystem? 

Das „kämpfende Kind“ wird in Polen seit Langem heroisiert. Schon zu meiner Schulzeit spielte es im Geschichtsunterricht eine wichtige Rolle, dass während des Zweiten Weltkriegs auch Kinder für die Nation gekämpft haben. Aber seit die PiS-Partei an der Macht ist, kommen deutlich mehr nationalistische Inhalte in der Schule vor. Das Militär und eine militärische Ausbildung werden sehr positiv dargestellt, was sicherlich auch den Reiz von solchen militärischen Sommercamps ausmacht. Mich irritiert das.

Das Interview führte Gundula Haage



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