Die Wüste Thar in Rajasthan

von Maximilian Mann

Jäger und Gejagte (Ausgabe II/2021)

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Khejribäume wie auf diesem Bild sind den Bishnoi heilig. Foto: Maximilian Mann


Im Sommer steigen die Temperaturen in der Wüste Thar auf bis zu fünfzig Grad. Trotzdem ist die Sandwüste im indischen Bundesstaat Rajasthan vielerorts überraschend grün. Hier lebt die hinduistische Religionsgemeinschaft der Bishnoi, deren Angehörige als erste Umweltaktivisten weltweit gelten.

Im 15. Jahrhundert herrschte in Rajasthan eine schreckliche Dürre. Guru Jambheshwar, der spätere Begründer der Bishnoi, wanderte damals meditierend durch die Wüste und verfasste dabei 29 Regeln für ein Leben im Einklang mit der Natur, darunter „Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist“ und „Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Baum“.

„Der Erzählung nach stellte sich eine mutige Bishnoi-Frau in den Weg der Soldaten des Maharadschas“

Ein Khejribaum, wie auf diesem Bild, gilt als wichtiger religiöser Ort für die Bishnoi. Denn im Jahr 1730 soll der Maharadscha des damaligen Fürstenstaats Marwar befohlen haben, für den Bau eines Palasts viele Khejribäume zu fällen.

Der Erzählung nach stellte sich jedoch eine mutige Bishnoi-Frau in den Weg der Soldaten des Maharadschas. Das inspirierte die Bewohner der umliegenden Dörfer, sich ebenfalls für den Schutz der Bäume einzusetzen. An nur einem Tag sollen damals 363 Menschen geköpft worden sein. Die Erinnerung an das Massaker ist bis heute für viele Bishnoi so prägend, dass sie die Khejribäume in der kargen Wüstenlandschaft besonders pflegen und schützen.

Als Fotograf reiste ich im Jahr 2017 zu den Bishnoi. Ved Prakash Godara, ein Bishnoi, der in Mumbai lebt, zeigte mir stolz Pilgerstätten, grüne Oasen und Tierpflegestationen in der Wüste. Für mich sind die Bishnoi der eindrückliche Beweis, dass Umweltschutz kein neuer Trend ist, sondern seit Jahrhunderten praktiziert wird.



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