Steht der Kölner Dom noch?

von Anita Boomgaarden

Unterwegs. Wie wir reisen (Ausgabe II/2007)


Es scheint ihn nicht losgelassen zu haben, dieses Aserbaidschan. Eine „gefühlte zweite Staatsbürgerschaft“ hat den Journalisten Ingo Petz erfasst. Und schließlich hat er ein Buch geschrieben, das seine Leser dieses leidenschaftliche Gefühl nachempfinden lässt.
Als stiller Beobachter begleitet man den unternehmungslustigen Reisenden auf seiner Suche nach dem letzten Kaukasusdeutschen, nach Kaviar-Produzenten, Dorf-Romantik und Sowjetnostalgie.

Seine bildlichen Darstellungen der geschäftigen Betriebsamkeit in der Hauptstadt Baku und seine Karl-May-haften Reiseberichte von Fahrten in abgelegene Dörfer und Kleinstädte lassen das Land als unwiderstehliches Reiseziel für Abenteurer erscheinen. Man blickt Petz über die Schulter, wenn er unerwartet vom Hochschulrektor als „Deutsche Delegation“ eingeladen wird, leidet mit ihm, wenn der Fahrer nachts das Licht ausschaltet, um die Autobatterie zu schonen, staunt mit ihm, trinkt mit ihm und gibt ihm recht, wenn er skurrile Vergleiche zwischen Deutschland und Aserbaidschan anstellt. Nicht nur Kenner des postsowjetischen Charmes werden aus dem Schmunzeln nicht wieder herauskommen.

Zu der Reise durch den Kaukasus kommt in dem Dorf Chanlar noch eine Zeitreise hinzu. In Chanlar, das bis 1928 Helenendorf hieß, trifft Petz Igor Stein, den letzten Kaukasusdeutschen. Zar Alexander I. hatte die Vorfahren des Schwaben Anfang des 19. Jahrhunderts nach Aserbaidschan eingeladen. Stein spielt Jazz und „O Tannenbaum“ auf dem Klavier und erkundigt sich, ob der Kölner Dom noch steht.
Petz reiste 2004 zum ersten Mal nach Aserbaidschan. Er beschreibt das Land im wilden Osten mit viel Ironie und verschmitzter Selbstreflexion. Ein Land, das zwischen Russland und Iran liegt und viel zu oft vergessen wird. Ein Land voller Deutschland-Fans. „Wir fördern hier sehr stark die deutsche Kultur. Ich hoffe, die Deutschen wissen das“, sagt der Direktor der Universität in Gändschä, der zweitgrößten Stadt Aserbaidschans. Mit diesem Buch kann man sein schlechtes Gewissen leicht beruhigen: Man hat das Gefühl, selbst dort gewesen zu sein.

Kuckucksuhren in Baku. Reise in ein Land, das es wirklich gibt. Von Ingo Petz. Droemer Verlag, München 2006.



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