Ein Fußballplatz auf den Kapverden

von Ivette Löcker

Tabu (Ausgabe I/2021)

Das Dorf Cha de Manuel Santos -

Foto: Jürgen Keiper


Nahe jedem noch so abgelegenen Dorf oder Strand auf den Kapverden gibt es einen Fußballplatz wie jenen in Chã de Manuel Santos, der auf dem Bild zu sehen ist. Das Dorf liegt am Ende des Paúl-Tals, am Fuße des Vulkankraters Cova auf der zweitgrößten Insel des Atlantikarchipels. Es ist das grünste und fruchtbarste Tal der Kapverdischen Inseln.

Die Hänge sind terrassiert, Zuckerrohr, Bananen, Kaffee und Mais bilden die Lebensgrundlage für die Einwohner. Am späten Nachmittag werden viele Flipflops gegen Fußballschuhe getauscht, schicke Trikots angezogen, manche Jungen und Mädchen spielen auch barfuß. Viele träumen von der Karriere als Fußballprofi in Europa oder Brasilien. Denn anderswo zu arbeiten ist, trotz des erstarkenden Tourismus, oft die einzige Möglichkeit, die Familie finanziell zu unterstützen.

Eindrücklich war mir eine Begegnung mit einem Jungen im Paúl-Tal. Er hatte ein Bündel Zuckerrohr auf seiner Schulter und lief den steilen Weg von der Plantage ins Dorf hinunter. Dabei imitierte er einen Radioreporter und kommentierte laut ein vergangenes Fußballspiel, vielleicht ein Match von Benfica Lissabon, wo viele Kapverdianer oder Portugiesen mit kapverdianischen Wurzeln in der Profiliga spielen. Vielleicht war es aber auch das Länderspiel gegen Portugal, das die ehemalige portugiesische Kolonie 2015 sensationell mit zwei zu null gewann.



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