„Wir sind ein Schnellboot“

ein Interview mit Ursula Seiler-Albring

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Das ifa wird im Januar 90 Jahre alt, seit vier Monaten sind Sie seine Präsidentin. Vor welchen Aufgaben sehen Sie sich und das Institut in Zukunft?

Ich möchte dem Anliegen des Auswärtigen Amts nachkommen, das ifa zu einem Think Tank der Auswärtigen Kulturpolitik weiterzuentwickeln. Und sicher werde ich versuchen, die Arbeit meines Vorgängers Graf Waldburg-Zeil fortzusetzen. Ob ich eigene Akzente setzen werde, ist auch eine Frage von Mitteln, die derzeit knapp sind. In jedem Fall will ich intensivere Kontakte zum Bundestag knüpfen. Denn wenn man Geld haben möchte, muss man auch erklären, wozu.

Wenn Sie einem Abgeordneten erklären, warum gerade die Arbeit des ifa wichtig ist, was sagen Sie?

Das ifa ist ein Kompetenzzentrum für Kulturaustausch mit einem enormen Fundus an strukturiertem Wissen und kompetenten Mitarbeitern. Im Kunstaustausch sind wir sicher die Nummer eins. Auch in der Konfliktprävention und im europäisch-islamischen Kulturdialog hat das ifa große Kompetenzen, die mehr genutzt werden sollten. Nicht zuletzt leistet auch unsere Bibliothek samt Dokumentationszentrum und Internetangebot eine exzellente Arbeit, die noch viel mehr ins Bewusstsein der Allgemeinheit dringen sollte.

Das Goethe-Institut freut sich gerade über neue Mittel. Wie ist das ifa im Vergleich zu den anderen Kulturmittlern positioniert?

Jeder hat seine Aufgaben. Man kann sich eigentlich nicht vergleichen, auch finanziell nicht. Wir haben keine 130 Auslandsinstitute zu unterhalten. Ich würde sagen: Das ifa ist klein, kompetent und flexibel. Wir sind kein großer Tanker, sondern ein Schnellboot. Das ist einer unserer großen Vorzüge.

Im Oktober 2006 fand im Auswärtigen Amt eine Konferenz zur Zukunft der Außenkulturpolitik statt. Welche Aufgaben sind am wichtigsten?

Am wichtigsten ist der euro-islamische Diskurs. Die Spannungen zu entschärfen ist eine der größten Herausforderungen. Die Kontakte ins Ausland müssen so tragfähig sein, dass sie nicht durch Ereignisse wie die Mohammed-Karikaturen abreißen. Wir müssen unsere Werte vermitteln, ohne sie aufzudrängen . Und uns die Zeit nehmen, den anderen zuzuhören und zu erkunden: Was treibt die um?

Außenminister Steinmeier macht sehr deutlich, welchen Stellenwert er der Kulturpolitik beimisst.

Die Konferenz im Oktober war ein wichtiges, weil sichtbares Ereignis. Es ist ein nicht zu überschätzendes Signal, dass sich der Außenminister persönlich so mit dem Thema identifiziert. Und er redet nicht nur. Er hat sich trotz angespannter Kassenlage ausdrücklich für die Außenkulturpolitik eingesetzt. Diplomatie, Wirtschaftsförderung und Auswärtige Kulturpolitik werden ohnehin zunehmend interdependent. Kultur ist nicht mehr nur „nice to have“. Das haben die Firmen im Ausland längst begriffen. Sie bedienen sich kultureller Aktivitäten, um ein gutes Geschäft zu machen.

Wie sollte sich die Auswärtige Kulturpolitik zur Wirtschaftspolitik positionieren?

Ich habe noch nie erlebt, dass jemand aus der Wirtschaft, den wir um Unterstützung für ein Kulturprojekt gebeten haben, versucht hätte, Einfluss zu nehmen. Ich kenne natürlich den Reflex, den es im Auswärtigen Amt in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gab: Wirtschaftsförderung? Das ist nicht unsere Aufgabe! Das hat sich aber seit den 1970er Jahren massiv geändert. Wirtschaftsförderung ist heute eine selbstverständliche Aufgabe. Für mich sind Wirtschaft und Kultur kein Gegensatz.

Mit welchen Regionen der Welt sollten wir uns in Zukunft am intensivsten befassen?

Ich glaube nicht, dass man sich auf bestimmte Regionen konzentrieren sollte. In der Diskussion um die Goethe-Institute denke ich: Natürlich wäre es schön, wenn wir in Indien und China ein dichtes Netz hätten – dann könnten wir aber den Rest der Arbeit einstellen. Was bringen ein oder zwei Goethe-Institute in China? Dieses riesige Land kann man nur mit anderen Mitteln erschließen.

Welchen politischen Anspruch sollte sich eine moderne Außenkulturpolitik Ihrer Ansicht nach stellen?

Ich denke, wir sollten versuchen, Werte wie Toleranz, Menschenrechte oder die Gleichheit von Mann und Frau als kulturelle Exportschlager in andere Länder zu tragen. Es ist wichtig, dass wir zeigen, dass sie die Basis unserer Demokratie, unserer Gesellschaft und unseres Friedensmodells sind. Man kann solche Werte sicher nicht eins zu eins transferieren, aber ich glaube, hier ein Beispiel vorzuleben ist eine wichtige langfristige Aufgabe. 

Das Interview führte Jenny Friedrich-Freksa



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