Türkisch-Kölnischwasser

von Mitri Sirin

Das bessere Amerika (Ausgabe IV/2020)

Mitri Sirin -

Foto: Jule Roehr/ZDF


Im Haus meiner Großeltern in der Türkei kamen jeden Tag Gäste. Wenn wir in den Ferien dort waren, habe ich immer gerochen, wenn Besuch da war. Dann drehte meine Großmutter mit einem Fläschchen aus schwerem Kristallglas die Runde. Jeder Gast bekam einen Spritzer in die Hand. Es verbreitete sich ein belebender Duft von Zitrone und Limette. Kolonya gilt seit jeher als Zeichen von Gastfreundschaft und Reinheit. Man nennt es auch den Duft der Türkei. Im 19. Jahrhundert fand das Kölnischwasser den Weg ins Osmanische Reich. Es gibt billige Düfte, die eher nach Erfrischungstüchern riechen, teurere duften nach Feige, Rosmarin oder Lavendel. Auch in Restaurants oder im Krankenhaus wird ein solcher Flacon gereicht.

Bei vielen türkischen Famlien in Deutschland steht eine Flasche Kolonya, als Duft der Heimat. Zu Beginn der Corona-Epidemie habe ich mich daran erinnert. Ich besorgte mir ein Fläschchen bei meinem türkischen Gemüsehändler. Kolonya besteht zu achtzig Prozent aus Ethanol und tötet Viren. Deshalb rief der türkische Gesundheitsminister dazu auf, es zu benutzen. In diesen Zeiten stärkt das Ritual das Zusammengehörigkeitsgefühl.

 



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