Das Suicide Cliff in Hongkong

von Fabian Weiss

Eine Geschichte geht um die Welt (Ausgabe III/2020)

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Wanderpfad in Hongkong. Foto: Fabian Weiss/laif


Nach einer halben Stunde Wandern durch die New Territories, die Außenbezirke Hongkongs,  gelangt man an diesen imposanten Felsvorsprung: Das Suicide Cliff wird so genannt, weil es die Form eines Sprungbretts hat. Es ist gigantisch, dort oben zu stehen und die riesige Stadt aus dem Nebel auftauchen zu sehen. Das Kliff ist eine Station auf dem MacLehose-Trail. Der fünf Stunden dauernde Wanderweg ist zu Ehren des am längsten amtierenden Gouverneurs der Stadt (1971–1982) benannt: Murray MacLehose, der auf dem ganzen Stadtgebiet sogenannte Country Parks anlegen ließ, um die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. In Hongkong liegen wilde Natur und wahnsinnige Häuserschluchten oft dicht beisammen.

An dem Tag, als das Foto entstand, war ich im Rahmen einer organisierten Tour mit einer Gruppe von zwanzig Menschen auf dem Kliff. Manchmal kommen aber auch bis zu fünfzig Leute auf solche Wanderungen mit. Bei unserer waren es weniger, weil das Wetter nicht so gut war. Die Gruppen sind gemischt, man trifft Profisportler ebenso wie Leute, die zum ersten Mal wandern, Angestellte, Rentner, Einheimische, aber auch viele Zugezogene, die aus Europa, Amerika oder anderen asiatischen Ländern stammen. Bei unserer Tour herrschte eine gute Stimmung: Hongkonger wandern gerne,  aber sie freuen sich auch, einfach zusammenzukommen in einer Stadt, die sonst so anonym ist.

Anmerkung der Redaktion: Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie. An organisierten Touren nehmen derzeit nur maximal acht Personen teil. Sie finden trotz der aktuellen Proteste statt (Stand 15. Juni 2020). 



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