Königliche Dickhäuter

von Volker Grabowsky

Im Dorf. Auf der Suche nach einem besseren Leben (Ausgabe II/2012)


Wie in anderen Teilen Südostasiens wird auch in Thailand der weiße Elefant als ein heiliges Tier verehrt. Zwar nennen ihn die Thais „Chang Phüak“ (von chang = „Elefant“ und phüak = „Albino“), doch muss der weiße Elefant nicht unbedingt ein reiner Albino sein. In der Regel ist er eher hellgrau als weiß. Wichtig ist aber, dass er eine ganze Reihe körperlicher Merkmale erfüllen muss, die in alten Texten genau festgelegt sind. So werden von ihm unter anderem eine weiße oder rosa Färbung des Auges rund um die Hornhaut sowie eine charakteristische Hautspalte an den Schultern erwartet.

Jeder weiße Elefant wird in Thailand von den Behörden registriert und auf seine Echtheit geprüft. Es ist verboten, weiße Elefanten für die Arbeit einzusetzen. Sie zu halten ist sehr teuer, da sie extrem Krankheitsanfällig sind. Dass einer der höchsten thailändischen Verdienstorden Orden des Weißen Elefanten genannt wird, unterstreicht die Hochachtung, die den Tieren hier entgegengebracht wird. Schon im alten Siam (wie Thailand bis 1939 offiziell hieß) galt der weiße Elefant als Symbol königlicher Macht. Ein Lehrbuch der thailändischen Kosmologie aus dem 14. Jahrhundert listet den „Chang Phüak“ als eines der sieben Merkmale eines würdigen Herrschers. Die edelsten und wertvollsten der weißen Elefanten waren daher ausschließlich Königen vorbehalten; diese führten den Ehrentitel „Gebieter des weißen Elefanten“ (Cao Chang Phüak). Von König Chulalongkorn wird berichtet, dass in seinen Stallungen neunzehn dieser heilbringenden Tiere versammelt waren. Bis 1917 schmückte ein weißer Elefant auf rotem Grund die Nationalflagge Siams. Das verehrte Tier zierte außerdem Münzen, Banknoten und das Königssiegel. Nicht umsonst galt Thailand im Westen lange Zeit als „das Reich des weißen Elefanten“.



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