Das alte Gefängnis von Rummu

von Jekabs Andrušaitis

Raum für Experimente (Ausgabe III/2017)

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Das alte Gefängnis im gefluteten Steinbruch in Rummu, Estland. Foto: Jēkabs Andrušaitis


Einer der überraschendsten Orte in Estland liegt vierzig Kilometer südöstlich von Tallinn: das ehemalige Gefängnis und der geflutete Steinbruch von Rummu. Das Gelände ist eigentlich nicht öffentlich zugänglich und vom Besitzer abgesperrt. Trotzdem finden die Bewohner der Gegend ebenso wie Reisende oft einen Weg durch den Zaun, um in dem ungewöhnlich klaren Wasser zu baden. Das Gefängnis und der Steinbruch wurden in den späten 1930er-Jahren zum Abbau von Kalkstein angelegt. Die Insassen mussten dort arbeiten, die Anstalt war berüchtigt für seine Menschenrechtsverletzungen. Jedes Jahr starb mindestens ein Gefangener unter dubiosen Umständen, und die Insassen versuchten, durch einen Hungerstreik bessere Haftbedingungen zu erzwingen.

Als Estland 1991 die Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangte, wurde der Steinbruch geschlossen. Nach dem Abstellen der Pumpen füllte sich das Abbauareal schnell mit Grundwasser auf und überschwemmte einige der Gebäude bis hoch zum zweiten Stock. So finden sich heute noch Laternen, Stacheldraht, Minenwerkzeuge und ein ganzer Wald unter Wasser und locken besonders Taucher an. Das Gefängnis neben dem Steinbruch wurde erst im Jahr 2012 geschlossen.

Aus dem Englischen von Frederike Biron



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