Was die Zahl 7 im Iran bedeutet

Ramin Shaghaghi

Unterwegs. Wie wir reisen (Ausgabe II/2007)


Die Sieben symbolisierte in vorislamischer Zeit (bis etwa zur Mitte des 7. Jahrhunderts) die Vollkommenheit. Deutlich wird dies beim iranischen Neujahrsfest Nourus (21. März), dessen Wurzeln Jahrtausende zurückreichen. Es war das heiligste von sieben alljährlichen Festen, gefeiert zu Ehren der unsterblichen Seelen. Heute wird ein rituelles Tischgedeck aus sieben Gegenständen arrangiert: Weizen, Münzen, Harmelraute (Räucherwerk), Knoblauch, Brustbeeren, Weizenbrei und Hyazinthen. Je nach Familientradition werden auch Essig, Äpfel, Sabsi (Kräuter) und Sumach (Gewürz) verwendet. Hinzu kommen noch weitere Gegenstände wie etwa ein Spiegel oder ein Goldfischglas. Die Elemente repräsentierten einst die „Sieben Heiligen Unsterblichen“ – in der von Zarathustra gegründeten monotheistischen Religion Aspekte oder Helfer Gottes. Gleichzeitig stehen sie für Fruchtbarkeit, Kraft, Gesundheit, Unsterblichkeit, Wachstum, Erneuerung und für die Abwehr des Bösen. Die Stellung der Zahl Sieben geht jedoch darüber hinaus. Nach altiranischer Vorstellung bestand die Erde aus sieben mythischen Erdregionen mit Iran als Zentrum. Auch viele Geschichtslegenden ranken sich um diese Zahl. So spricht man von den „sieben Helden“ einer bestimmten Schlacht – eigentlich sind es jedoch acht, neun oder mehr. Es scheint, als hätten die Iraner bisweilen die ursprüngliche Bedeutung der Bräuche und die historischen Fakten vergessen, in ihrer kollektiven Erinnerung aber trotzdem die Zahl Sieben gespeichert.



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