Stolzer Wappenvogel

von Melanie Taylor

Endlich! (Ausgabe I/2020)

Harpyie -

Eine Harpyie. Illustration: Shutterstock


Der Name der Harpyie stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Reißerin“. Der mächtige Greifvogel beeindruckt durch seine majestätische Erscheinung, seine Flügelspannweite erreicht bis zu 2,24 Meter. Der Harpyien-Adler hat keine natürlichen Feinde, aber der Mensch hat ihn durch die Zerstörung der Regenwälder fast ausgerottet.

Panama ist eines der wenigen Länder in Mittelamerika, in dem die Vögel noch zu finden sind. Dort genießen sie Schutz im Harpyien-Zentrum im Parque Summit. 2002 wurde die Harpyie zum Nationalvogel Panamas erklärt. Aber bereits 1903, als sich Panama von Kolumbien trennte, erschien sie auf dem Staatswappen. Sie sitzt nach links blickend auf dem Wappenschild, in ihrem Schnabel ein Band mit der Aufschrift „Pro Mundi Beneficio“ („Für den Wohlstand der Welt“), das sich auf Panama als Brücke bezieht – nicht nur für den Gütertransfer in die ganze Welt, sondern auch als mittelamerikanische Landbrücke für Mensch und Tier.

Der Vogel symbolisiert die nationale Souveränität, die sich das Land mehrmals erkämpfen musste, in Auseinandersetzungen mit Spanien, Großkolumbien und den USA. Im Juni 2019 wurde eine Harpyie – ein junges weibliches Exemplar – aus dem Parque Summit entwendet. In einem Land, das seine Herausforderungen im Kampf gegen Korruption und für soziale Gerechtigkeit sieht, erscheint dieser Diebstahl wie ein Symbol für den Raub staatlicher Ressourcen und ein Schlag gegen seine Souveränität.

Aus dem Spanischen von Gabriela Pflügler



Ähnliche Artikel

Was bleibt? (Kulturleben)

Grönland: Lernen vom Eisbär

Robert Peroni

 

mehr


Körper (Köpfe)

Andere Justiz

Die Filmemacherin Iris Disse zeigt indigene Frauen, die sich gegen Gewalt und Rechtlosigkeit wehren

mehr


Breaking News (Was anderswo ganz anders ist)

Slowenien: Fleißige Biene

Aleš Šteger

Von den drei Tierarten, die für eine zoologische Identifizierung der Slowenen in Frage kommt, ist die Biene die Favoritin. Der Braunbär, der in den Wäldern und auf einigen Restaurantmenüs des Landes vorkommt und Lieblingstier vieler Volksmärchen ist, wird mit einem zwar gutmütigen, aber zugleich unberechenbaren, balkanisch-unbezähmbaren Typus in Verbindung gebracht. 

mehr


High. Ein Heft über Eliten (Kulturleben)

Wolfskinder

von Ayhan Kaya

Über ein besonderes Tier in der Türkei

mehr


Das neue Italien (Was anderswo ganz anders ist)

Japan: Fisherman’s Friend

Ross Calman

 

mehr


Inseln. Von Albträumen und Sehnsüchten (Kulturleben)

Schön, geschickt, freiheitsliebend

von Shou Aziz

Über ein besonderes Tier im Nordirak

mehr