Die Hundertjährigen von Ikaria

eine Bildergalerie von Andrea Frazzetta

Endlich! (Ausgabe I/2020)

  • Filio Tsamoudaki lebt auf der griechischen Insel Ikaria, deren Einwohner älter werden als der  europäische Durchschnitt. Nirgendwo in der EU ist der Anteil der über 90-Jährigen höher als dort. Das Bild zeigt Tsamoudaki im Alter von 95 Jahren

    Filio Tsamoudaki lebt auf der griechischen Insel Ikaria, deren Einwohner älter werden als der europäische Durchschnitt. Nirgendwo in der EU ist der Anteil der über 90-Jährigen höher als dort. Das Bild zeigt Tsamoudaki im Alter von 95 Jahren

  • Der 102-jährige Stamatis Moraitis kümmert sich um seine Olivenbäume auf Ikaria

    Der 102-jährige Stamatis Moraitis kümmert sich um seine Olivenbäume auf Ikaria

  • Efthimios Plystakas, 95 Jahre alt

    Efthimios Plystakas, 95 Jahre alt

  • Eleni Lakiou, 100 Jahre alt

    Eleni Lakiou, 100 Jahre alt

  • Evangelos Fradelos, 96 Jahre alt

    Evangelos Fradelos, 96 Jahre alt

  • Eftiheia Plakas im Alter von 96 Jahren

    Eftiheia Plakas im Alter von 96 Jahren

  • Ioanna Proiou, 105 Jahre alt

    Ioanna Proiou, 105 Jahre alt

  • Giannis Manolis, 87 Jahre alt

    Giannis Manolis, 87 Jahre alt

  • Grigoris Tsahas, 99 Jahre alt

    Grigoris Tsahas, 99 Jahre alt

  • Die 85-jährige Katina Parikos kümmert sich um ihren Garten im Dorf Karies auf der Insel Ikaria

    Die 85-jährige Katina Parikos kümmert sich um ihren Garten im Dorf Karies auf der Insel Ikaria


Herr Frazzetta, Ihre Porträtserie zeigt hundertjährige Menschen auf der griechischen Insel Ikaria. Warum dort?

Ich war 2012 das erste Mal für die New York Times auf der Insel. Ich sollte eine Geschichte des Autors Dan Buettner illustrieren, der erforscht, wo auf der Welt die Menschen besonders alt werden. Diese Orte nennt er »Blue Zones« und Ikaria ist eine davon. Für mich war es sehr besonders, die Menschen dort kennenzulernen. Die Hundertjährigen haben mich beeindruckt.

Was hat Sie besonders fasziniert?

Ich hatte mir vorgestellt, dass die alten Menschen am Strand liegen und es sich gut gehen lassen. Das ist gar nicht so. Ikaria ist eine wunderschöne Insel, aber sehr rau, mit hohen Bergen. Das Leben der Menschen ist hart. Selbst die Hundertjährigen müssen täglich die Berge hoch- und runterlaufen und arbeiten im Garten. Dort liegt niemand auf der faulen Haut.

Also hält Aktivsein jung?

Bestimmt. Auch die Ernährung spielt eine Rolle, das viele Gemüse und Olivenöl. Aber ich glaube, die Gemeinschaft ist das Wichtigste: Man schaut nach einander. Niemand ist allein, alle spielen Karten, trinken Wein und lachen miteinander.

Das Bild, dass wir an zweiter Stelle in der Bildergalerie oben auf dieser Seite sehen, bedeutet Ihnen besonders viel. Warum?

Das ist Stamatis Moraiti. Die Begegnung mit ihm hat sich mir eingeprägt. Er lebte lange in den USA, bis ihm mit sechzig Lungenkrebs diagnostiziert wurde. Die Ärzte gaben ihm noch neun Monate. Also kehrte er auf seine Heimatinsel zurück, um sich zu verabschieden. Aber er starb einfach nicht. Als ich ihn traf, war er bereits 102 und sehr lustig. Ich wollte ihn noch einmal treffen, um eine Nahaufnahme von ihm zu machen, nur wurde das nichts.

Warum nicht?

Wir hatten uns an meinem Abreisetag verabredet. Zur vereinbarten Zeit konnte ich ihn einfach nicht finden. Sein Nachbar verriet mir schließlich, dass ein ebenfalls hundertjähriger Freund ihn mit dem Motorrad abgeholt und zum Strand mitgenommen hatte! Jetzt habe ich zwar kein Porträt, aber immerhin eine gute Geschichte: Zwei Hundertjährige auf dem Motorrad auf dem Weg zum Strand.

Ist es schwieriger, alte Menschen zu fotografieren als junge?

Im Gegenteil. Junge Leute machen sich die ganze Zeit Gedanken darüber, wie sie aussehen. Die Hundertjährigen waren gar nicht eitel. Sie haben gesagt: Ich bin alt, das ist mein Gesicht, das sind meine Falten. Wir hatten viel Spaß miteinander.

Das Interview führte Gundula Haage



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