„Die Ältesten sehen Dinge, die anderen verborgen sind“

von Jenny Friedrich-Freksa

Endlich! (Ausgabe I/2020)

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Foto: Max Lautenschläger


Der französische Schauspieler und Chansonnier Maurice Chevalier hat es mal so ausgedrückt: „Wenn du an die Alternative zum Altwerden denkst, ist es gar nicht mehr so schlimm.” Chevalier wäre heute 131 Jahre alt, und wenn man der neuesten Forschung Glauben schenkt, könnte dies in naher Zukunft ein Alter sein, in dem man durchaus noch unter den Lebenden weilt. 

Die spanische Zellbiologin Ana María Cuervo hält das nicht für erstrebenswert: „Alles hat ein Verfallsdatum“ sagt sie. Zusammen mit ihren Kollegen am New Yorker Albert Einstein College of Medicine sucht sie nach Wegen, den Alterungsprozess zu ändern: „Wir würden immer noch sterben, aber ohne diese 15, 20 Jahre zunehmenden Verfalls.“

In dieser Ausgabe widmen wir uns der letzten Lebensphase der Menschen, dem Alter. In westlichen Ländern wird der möglichst lange leistungsfähige und fitte Mensch idealisiert, und Menschen, die diesem Ideal nicht entsprechen, rücken schnell an den Rand der Gesellschaft. In Asien hingegen ist das Alter mit Weisheit und Lebenserfahrung konnotiert – und verbunden mit dem Glauben, dass die Ältesten Dinge sehen, die anderen verborgen sind.

Wir schauen in diesem Heft auf das Altern in unterschiedlichen Kulturen und Biografien, auf Erkenntnisse aus der Medizin und auf das Zusammenleben von Großeltern, Eltern und Kindern. „Nachmittags tanze ich“, sagte uns die 101-jährige Yogalehrerin Tao Porchon-Lynch im Gespräch, „ich fühle mich kein bisschen anders, seit ich 101 geworden bin.“ 



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