Modisches Federvieh

von Nick Dall

Schuld (Ausgabe II/2019)

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Ein Strauß. Illustration: Shutterstock


Der in Südafrika heimische Strauß hat für die Wirtschaft des Landes lange eine bedeutende Rolle gespielt. Er ist der größte lebende Vogel. 24 Hühnereier würden in ein einziges Straußenei passen. Aber geschätzt werden die Tiere vor allem wegen ihrer Federn, nicht ihrer Eier. Bereits um 1550 zierten Straußenfedern die Köpfe europäischer Königinnen. Erst im 19. Jahrhundert wurde die seltene Ware erschwinglicher, dank zweier südafrikanischer Neuerungen: 1863 wurden die Vögel erstmals erfolgreich domestiziert, und ein Jahr später wurde der erste Brutschrank für die Eier patentiert. Die Straußenindustrie war seit jeher vor allem um die Stadt Oudtshoorn in der Region Kleine Karoo angesiedelt, wo sie Einwanderer aus der ganzen Welt anzog.

Einige Straußenfarmer und -händler haben große Vermögen gemacht (und verloren). Ihre prachtvollen Villen stehen immer noch in der ansonsten kargen Landschaft. Da der Handel mit Straußenfedern von den Launen der Mode abhing, war er immer ein riskantes Geschäft. Ein großer Rückschlag war der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ein weiterer die Erfindung des Automobils: Denn die Autos fuhren zu schnell, als dass die Federn auf den Damenköpfen blieben! Seit den 1940er-Jahren hat sich die Industrie zwar erholt, aber die Boom-Jahre sind nicht zurückgekehrt. Heute werden Strauße vor allem wegen ihres mageren Fleisches und feinen Leders geschätzt. Und, Ironie des Schicksals, gerade von den Autoherstellern: Sie nutzen die antistatischen Federn, um die Karosserien vor der Lackierung zu entstauben.

Aus dem Englischen von Friederike Biron



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