Magische Bewegung

von

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Ausgabe I/2011)


Neugierig standen die Kinder aus den Slums von Mumbai am Zaun, wenn der Rugbyspieler Matthew Spacie im Bombay-Gymkhana-Club trainierte. Ob sie nicht mitspielen wollten, fragte er sie eines Tages. Natürlich! Doch in dem traditionsreichen Sportclub waren die Kids aus armen Verhältnissen nicht gern gesehen. So organisierte Spacie gemeinsam mit Freunden eine Busreise aufs Land für die Kinder – um Rugby zu spielen und Spaß zu haben. In diesen Tagen stellte er bei ihnen erstaunliche Veränderungen im Verhalten fest: Sie wurden mutiger, verständiger und rücksichtsvoller.

Der gemeinsame Sport schien Wunder zu wirken. Daraus könnte mehr werden, dachte sich Spacie.
Der ehemalige Angestellte eines indischen Reiseunternehmens entwickelte das, was für wenige Slumkinder als Abwechslung zum trüben Alltag begann, zu einem groß angelegten Hilfsprogramm. In den Sportprojekten von „Magic Bus“ werden Kinder und Jugendliche nach Alter und Fähigkeiten in Gruppen eingeteilt und lernen während der wöchentlichen Trainingsstunden über Spielregeln und Sportübungen, dass Jungen und Mädchen gleichberechtigt sind und wie man aufeinander Rücksicht nimmt. Spielerisch erleben die Kinder, was es heißt, sich zu vertrauen und sich Ziele zu setzen. „Wichtige Voraussetzungen für selbstbestimmtes Leben“, findet Spacie.

Der „Magic Bus“ ist mittlerweile zu einer gesellschaftlichen Bewegung gewachsen. Derzeit profitieren über 140.000 junge Menschen von seinen Projekten. In vier Jahren, so der ehrgeizige Plan, sollen bereits eine Million Kinder und Jugendliche in Indien erreicht werden. Gleichzeitig findet Spacies Konzept „Sport für Entwicklung“ auch schon Anwendung in England, den USA und Deutschland.



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