Unsere kleine Farm

Timothy Jones

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Ausgabe I/2011)


Das erste Mal hörte ich vom Konzept der „Community Supported Agriculture (CSA)“ vor 15 Jahren. Das Prinzip kommt aus Japan und die Grundidee ist es, eine direkte Bindung zwischen dem Farmer und dem Konsumenten herzustellen. Man bildet eine Art Gemeinschaft und schützt sich so vor Preissteigerungen durch Zwischenhändler und Produktvorgaben durch industrielle Vertreter. Die Konsumenten kaufen in dieser Gemeinschaft nicht mehr einfach nur die Produkte des Farmers, sondern sie kaufen sich gewissermaßen in einen Vertrag mit ihm ein: Der Farmer garantiert, wöchentlich ökologisch einwandfreie, vollwertige und preiswerte Nahrungsmittel bereitzustellen, der Konsument teilt im Gegenzug das Risiko einer Missernte. Der Verbraucher holt sich die Produkte wöchentlich auf einem Markt direkt beim Erzeuger ab. Außerdem wird den „Anteilseignern“ die Möglichkeit gewährt, direkten Einblick in die landwirtschaftliche Arbeit zu gewinnen. Die Idee ist es, eine persönliche Bindung zwischen Farmer und Verbraucher zu formen, um die Entfremdung und Anonymität zwischen Produzent und Konsument zu durchbrechen.

Der Farmer spielt eine wichtige Rolle in diesem Sys-tem. Auf unserer Farm, dem Tucson-Gemeinschaftshof, ist der wichtigste Farmer Frank Martin. Frank baut seit 15 Jahren für Gemeinschaftshöfe an und hat viel Erfahrung gesammelt. Als ich Frank fragte, was einen erfolgreichen Farmer so einer Gemeinschaft ausmacht, antwortete er: „Du kannst den Farmer nicht von dem Gemeinschaftsprozess trennen. Er ist ein wichtiger Bestandteil, ja. Aber trotzdem nur ein Teil der Organisation.“ Als Frank entschied, sich der Landwirtschaft zuzuwenden, versuchte er sich zuerst im Gartenanbau für Bauernmärkte und Gemüsestandplätze. Er war nicht sonderlich erfolgreich: „Da sind zu viele Schwankungen im Verbrauch. Es wird zu viel Abfall produziert. Vergeudetes Essen und vergebliche Mühen. Nachfrage kommt und geht und als Bauer musst du dann überproduzieren, um der Unberechenbarkeit des Verbrauchs zu begegnen.“ Frank entschied sich, dem industriellen Verkauf mitsamt seinen Handelsrestriktionen den Rücken zu kehren und einem Gemeinschaftshof beizutreten. „Ich bin voll auf zufrieden mit den Ergebnissen meiner Arbeit. Wenn du genau weißt, es sind 300 Familien, die du ernähren musst, dann kannst du einfach viel besser kalkulieren. Die Produktion ist effizienter. Das bedeutet weniger Sorgen und ein sichereres Einkommen für mich. Ich verkaufe alles, was ich produziere, beziehungsweise produziere nur das, was auch gebraucht wird. Außerdem muss ich nicht mit den neuesten arbeitssparenden Technologien mithalten. Ich benutze kleines Gerät, das nur einen geringen Benzinverbrauch hat.“

Frank hat Freunde, die Monokulturen betreiben, und meint: „Sie sind preislich vollkommen abhängig von der Gnade der Rohstoffmärkte. Um Geld zu machen, musst du dann darauf hoffen, dass sie eine schlechte Ernte haben. Das ist das reine Glücksspiel mit dem Wetter. Ich bin kein Spieler. Deswegen halte ich mich fern von Monokultur. Ich produziere acht verschiedene Gemüsesorten und Früchte pro Woche – eine ausgewogene Diät.“ Die Mitglieder der Gemeinschaftshöfe sind keine typischen Konsumenten mehr. Sie müssen einige Risiken tragen und sind sich dessen bewusst. Wie Frank sagt: „Äpfel und Kartoffeln haben keine einheitliche Größe und Form. Und wenn sie ohne Dünger produziert werden, kommen auch mal Insekten vor.“ Sie passen ihre Vorstellung von Nahrungsmitteln automatisch an diese Gegebenheiten an. Zudem können sie nicht denken: „Was möchte ich essen?“ Sie müssen denken: „Was gibt es, was ich essen könnte bevor es vergammelt?“ Das ist die Entwicklung, die die amerikanische Gesellschaft nehmen muss.

Aus dem Englischen von Linda Geßner



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