... in Ho-Chi-Minh-Stadt

von Christian Berg

Helden (Ausgabe II/2018)


Der 62-jährige Hoang zog 1998 in das Apartment, in dem er heute allein lebt. Seine Kinder sind nach Amerika ausgewandert oder leben mit ihren Partnern anderswo in der Stadt. An der Wand erzählen Bilder und Spielsachen seiner Enkelkinder von einer Familie, die über die Welt verstreut ist – in Vietnam keine Seltenheit. Üblich ist auch, das Wohnzimmer zugleich als Schlafzimmer zu nutzen: Tagsüber wird die Matratze hochgeklappt, abends kann Herr Hoang beim Fernsehen einschlafen. An der hinteren Wand steht der Ahnenaltar, der in keiner vietnamesischen Wohnung fehlt. Tür und Fenster des kleinen Apartments im zweiten Stock stehen immer offen, um ein wenig Luft in der Hitze der Stadt zirkulieren zu lassen. Die Geräusche und Gerüche aus den anderen Wohnungen breiten sich aus. Die Etagen solcher Häuser verschwimmen zu einer Art vertikalem Dorf: Es gibt darin Restaurants, Karaokebars und Friseursalons. 



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