Wie Griechen es beim Feiern krachen lassen

von Anestis Azas

Weniger ist mehr. Über das Wachstum und seine Grenzen (Ausgabe I/2011)


„Tha ta spasoume!“ heißt es, wenn man sich zum Feiern verabredet: „Wir werden es zerschlagen!“

Man reserviert für seine Freunde einen Tisch in einer der zahlreichen Bouzoukias, in der bekannte Musiker für oft mehrere Wochen mit ihrem Programm gastieren. „Wir treffen uns bei Terzis oder Mitropanos“, heißt es dann, „um es zu zerschlagen.“ In besagten Lokalen, deren Name sich vom griechischen Saiteninstrument, der Bouzouki, ableitet, sollte man viel Geld dabei haben. Die Tische nah an Bühne und Tanzfläche sind begehrt und der Whisky ist teuer.

In ausgelassener Atmosphäre brachte man die Wertschätzung einer Person dadurch zum Ausdruck, dass man ihr Teller zu Füßen warf. Um die häufigen Verletzungen zu unterbinden, wurde die Tradition in den 1970er-Jahren verboten. Heute laufen eigens angestellte Blumendamen zwischen den Feiernden entlang und bieten nun Nelkenblüten auf geflochtenen Tellern feil. Tanzend und gut gelaunt nimmt man ihnen einen dieser Blumenteller ab und wirft die Blüten in die Luft, dem Künstler entgegen oder über Menschen, die man mag. Die Blumendame kassiert tellerweise und unverzüglich: Bis zu 15 Euro kostet der Spaß.

Das Verbot des Tellerwerfens ist mittlerweile wieder aufgehoben. Blumenwerfen indes hat das Zerschlagen als gängige Vergnügung abgelöst. Die Einladung zum Feiern, „Tha ta spasoume!“, ist trotzdem geblieben.

Protokolliert von Linda Geßner



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