Als Kadyrow mich bat, ein Rammstein-Konzert zu organisieren

Marko Lakomy

Was vom Krieg übrig bleibt (Ausgabe I/2007)


Vor ein paar Jahren bekamen wir im ZDF-Studio in Moskau eine Einladung nach Tschetschenien von Ramsan Kadyrow, dem Sohn und Nachfolger des tschetschenischen Präsidenten Achmat Kadyrow, der 2004 bei einem Attentat ums Leben kam. Seine Mannen holten uns am Flughafen seiner Heimatstadt ab. Auf dem Weg zu seinem Hauptquartier saßen wir in schwarzen Jeeps zwischen Munition und Kalschnikows. In Tschetschenien werden selbst die kleinen Kinder schon mit Waffen groß. Erst wenn ein junger Mann eine Kalaschnikow umhängen hat, ist er jemand. Abends lud uns Kadyrow zum Essen bei sich ein. Wir unterhielten uns gut, und am Ende erzählte er von einem großen Bikertreffen, das er im Jahr darauf in Grosny plane. Ein Jahr zuvor hatte er dort ein großes Rockkonzert mit bekannten russischen Bands organisiert, um zu zeigen, dass Grosny kein Kriegsgebiet mehr ist. Er sagte zu mir: „Für das Bikertreffen will ich Rammstein haben. Du bist doch Deutscher, frag die doch mal. Geld spielt keine Rolle.“ Die Russen stehen völlig auf Rammstein. Zwei Wochen später, als ich zurück in Moskau war – ich hatte die Sache schon längst vergessen – kam ein Anruf von Kadyrows Pressesekretär. Er fragte, was denn nun mit Rammstein sei. Ich war ganz überrascht, denn ich hatte das gar nicht ernst genommen. Tschetschenischen Wünschen kommt man besser nach, also habe ich Rammstein gemailt. Sie schrieben zurück, sie seien zwar sehr interessiert, weil die pyrotechnischen Möglichkeiten in diesem Land bestimmt klasse seien. Aber die Sache war ihnen dann doch ein bisschen zu gefährlich.

Protokolliert von Nicole Graaf



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