Der Alltag in der Zentralafrikanischen Republik

von Gundula Haage

Das ärmste Land, das reichste Land (Ausgabe III+IV/2018)


Begrüßen

»Nzonî gango« (Willkommen) oder »bara âla, bara mo« (Ich grüße dich) sagt man auf Sango, wenn man sich begrüßt. Unter engen Freunden schüttelt man sich die Hand und schnipst dabei mit Daumen und Mittelfinder. »Fango ngborô« nennt man diese Geste. Sinngemäß steht sie für die Komplizenschaft zwischen Geschwistern und ist damit ein Zeichen großer Nähe.

Charmieren

Verwitwete ältere Männer sind manchmal sozial isoliert. Darum kommt es oft vor, dass junge Mädchen sie mit sexuell konnotierten Sprüchen necken. »Mbï ke wâlï tî mo« (Ich bin deine Frau) oder »Mû na mbï nguinza tî galâ« (Gib mir das Geld vom Markt) sagen sie, um die Männer zum Lachen zu bringen und ihnen eine Geschichte aus der Vergangenheit zu entlocken. Zwischen jungen Männern und älteren Frauen gibt es kaum Vergleichbares.

Marschieren

An Festtagen wird marschiert, ganz gleich, ob es sich dabei um eine eine Taufe, Weihnachten oder die Feier der Mitgiftübergabe handelt. Meistens ist die Strecke nicht länger als hundert Meter, aber alle Teilnehmenden kleiden sich dafür so festlich wie nur irgend möglich. Sich herauszuputzen und gemeinsam prunkvoll zu marschieren ist ein Ausdruck für die Freude, die die  Menschen anlässlich von Festtagen empfinden.

Sterben

Um Verstorbene angemessen aus dem Leben zu verabschieden, gehört es für viele ethnische Gruppen dazu, dass die verwitweten Ehepartner bis zur Beerdigung Rituale durchlaufen, die häufig mit Entbehrung zusammenhängen: Bei den Gbanziri und den Banda schläft die Witwe oder der Witwer auf dem Boden neben der Leiche und darf nichts essen, bis die verstorbene Person beerdigt wurde. Bei der Beerdigung klärt der Priester oder Imam vor der versammelten Trauergemeinde, ob jemand dem Verstorbenen noch etwas schuldig war. Die Schuldigen müssen sich verpflichten, ihre Schuld an die Hinterbliebenen zurückzu­zahlen.

Handeln

Auf dem Markt oder bei Preisabsprachen, etwa mit den Fahrern von Motorradtaxis, muss man immer
handeln, um respektiert zu werden. Es gehört dazu, die Preise infrage zu stellen. Manche Käufer halten dabei dramatische Beschwerdereden über die überteuerten Preise.

Informationen von Moussa Abdoulaye



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